Aus: Ausgabe vom 02.11.2018, Seite 3 / Schwerpunkt

Resistência

Solidarität mit Brasilien

»Er nicht«: Den niemals akzeptieren! Kundgebung gegen Bolsonaro
»Er nicht«: Den niemals akzeptieren! Kundgebung gegen Bolsonaro in Berlin-Kreuzberg am 30.9.2018

Der klare Sieg des Befürworters der Militärdiktatur Jair Bolsonaro auch in der zweiten Runde der brasilianischen Präsidentschaftswahl am 28. Oktober hat bei demokratisch und humanistisch gesinnten Menschen weltweit Entsetzen hervorgerufen. Bereits vor dem offiziellen Amtsantritt des 42. Staatschefs in der Geschichte des größten südamerikanischen Landes nimmt der Druck von der äußersten Rechten massiv zu. Im Kongress werden Anträge vorangetrieben, die eine Kriminalisierung der sozialen Bewegungen zum Ziel haben. Evangelikale Fundamentalisten möchten eine »Schule ohne Partei« gesetzlich verankern und Lehrern einen politischen Maulkorb verpassen. Sexualaufklärung würde in Schulen tabuisiert werden, der Gebrauch von Begriffen wie »sexuelle Orientierung« oder »Gender« unter Strafe gestellt. Den Umweltschutz möchte Bolsonaro in die Hände der Agrarlobby geben, das dafür zuständige Ministerium liquidieren. Die Folgen für die für das globale Klima wichtigen Regenwälder Amazoniens wären verheerend. Die Bedrohung der indigenen Völker Brasiliens nimmt zu, Übergriffe und Morde durch Schergen der Latinfundisten sind an der Tagesordnung. Der Krieg gegen die Armen in den Favelas soll blutiger geführt werden. Bolsonsaro bedeutet den Weg in den Polizeistaat.

Diese Entwicklung trifft auf breiten Widerstand. Schon in den ersten Tagen nach der Wahl kam es zu großen Protesten in mehreren Städten Brasiliens. Die internationale Solidaritätsbewegung ist nun noch stärker gefordert. Kollektive von Brasilianerinnen und Brasilianern im Ausland und Soligruppen sind auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv. Sie klären politisch auf, leisten Hilfe für Opfer von Repression und Menschen, die Brasilien verlassen müssen. Sie führen den Kampf für die Freiheit von Lula da Silva. Auch gewerkschaftliche Initiativen und konfessionelle Hilfswerke verstärken nach dem Rollback ihre Aktivitäten für die Menschenrechte und den Schutz der Umwelt in Brasilien und ganz Lateinamerika. Das Netzwerk Kobra – Kooperation Brasilien e. V. (www.kooperation-brasilien.org) bündelt Gruppen, Einzelpersonen und Organisationen, die sich für das Land engagieren. Deutschsprachige Informationen und Hinweise auf Soli-Aktivitäten bietet auch die Facebook-Gruppe »Freiheit für Lula« (facebook.com/groups/LulaSoli).

Aktuelle Termine

  • »Gemeinsam gegen den Faschismus«, Diskussion: Wie weiter nach der Wahl in Brasilien?, Fr., 2.11., 18 Uhr, Allerweltshaus Köln, Körnerstraße 77, 50823 Köln; Veranstalter: Brasil em Debate Colônia
  • »Brasilien auf dem Weg in den Faschismus?«, Sa., 3.11., 18.30 Uhr, Severinstraße 1, 45127 Essen; Gastgeber: Linksjugend Solid
  • »Kundgebung des Widerstands gegen Bolsonaro«, So., 4.11., 15-18 Uhr, Hermannplatz, 10967 Berlin-Neukölln
  • »Die feministischen Kämpfe und alternative Formen der Kommunikation in Brasilien«, Fr., 9.11., 18 Uhr, Evangelisches Frauenbegegnungszentrum EVA, Saalgasse 15, 60311 Frankfurt am Main; Veranstalter Abá e. V.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Schwerpunkt