Aus: Ausgabe vom 01.11.2018, Seite 6 / Ausland

Mehr als Händeschütteln

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel besucht unter anderem Moskau, Beijing, Pjöngjang

Von Volker Hermsdorf
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Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel (März 2018 in Santa Clara)

Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel ist zur Zeit auf einer zwölftägigen Reise in verbündete Länder. Zum Auftakt seiner Staatsbesuche in Russland, der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK), der Volksrepublik China, Vietnam und Laos steht am morgigen Freitag in Moskau ein Treffen mit Präsident Wladimir Putin auf dem Programm.

Wie die Präsidialverwaltung des Kreml mitteilte, geht es um eine »Vertiefung der strategischen Partnerschaft und eine gemeinsame Positionierung zu internationalen und regionalen Entwicklungen in Lateinamerika«. Russlands starke Präsenz auf der noch bis Freitag geöffneten Handelsmesse »Feria Internacional de La Habana« (FIHAV) zeigte bereits das große Interesse. Im Rahmen der Messe fand zu Beginn dieser Woche das 16. Treffen einer bilateralen Regierungskommission statt, bei dem der Stand der gemeinsamen Projekte in Wirtschaft und Wissenschaft ausgewertet wurde. Das zweitägige Treffen war von Kubas früherem Wirtschaftsminister und heutigem Vizepräsidenten des Ministerrates, Ricardo Cabrisas, sowie dem russischen Vizepremier, Juri Borisow, geleitet worden, berichtete die kubanische Nachrichtenagentur ACN. Die russische Tageszeitung Kommersant will erfahren haben, dass Moskau dabei auch einen Kredit in Höhe von mehr als 50 Millionen US-Dollar für den Kauf von russischer Militärausrüstung zugesagt habe. »Darüber hinaus soll eine Reihe von allgemeinen Wirtschaftsdokumenten und Vereinbarungen durch das Finanzministerium (Russlands, Anm. jW) unterzeichnet werden, dafür sind aber andere Mittel vorgesehen«, zitierte Kommersant eine anonyme Quelle. Borisows Büro habe der Zeitung allerdings offiziell bestätigt, dass in Havanna die Verträge für 60 bereits vereinbarte Investitionsprojekte in den Bereichen Energieversorgung, Transport, Industrie, Kommunikation, Gesundheitswesen und Landwirtschaft unterzeichnet werden sollen.

Von Moskau fliegt Miguel Díaz-­Canel weiter nach Pjöngjang, wo er Staatschef Kim Jong Un und weitere Spitzenvertreter u. a. der Partei der Arbeit Koreas (PdAK) trifft. Wie Kubas Botschafter in der DVRK, Jesús Aise Sotolongo, gegenüber der Nachrichtenagentur Prensa Latina erklärte, geht es bei diesen Gesprächen um den Ausbau der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Dieselben Themen stehen auch bei der nächsten Reiseetappe in Beijing auf der Agenda des kubanischen Präsidenten, der dort unter anderem mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping konferieren wird. »China wird Kuba weiterhin unterstützen und ist daran interessiert, die Zusammenarbeit auf allen Ebenen zu stärken«, zitierte die Nachrichtenagentur Xinhua Außenminister Wang Yi am Donnerstag vergangener Woche. Zum Abschluss eines fünftägigen Vorbereitungsbesuches des kubanischen Vize­präsidenten Ricardo Cabrisas hatte Beijings Chefdiplomat zudem erklärt, dass Präsident Xi Jinping an langfristiger Kooperation gelegen sei. Er dürfte dabei auch das umgangssprachlich als »Neue Seidenstraße« bezeichnete Projekt »Belt and Road« im Sinn gehabt haben. Das Zentralorgan der Kommunistischen Partei, Granma, veröffentlichte am vergangenen Sonnabend einen umfangreichen Artikel über die Potentiale des Megaprojektes auch für Lateinamerika und Kuba. Chinas Engagement beim Ausbau des Hafens von Santiago de Cuba zum zweitgrößten Containerumschlagplatz des Landes könnte der Auftakt für weitere Infrastrukturmaßnahmen sein.

Auch bei Díaz-Canels Gesprächen in Vietnam und Laos geht es um mehr als freundliche Worte und Händeschütteln. In den letzten 20 Jahren lag das Wachstum der vietnamesischen Exporte um das Fünffache über dem durchschnittlichen der Schwellenländer und war doppelt so hoch wie das des »Weltmeisters« China. Auch Laos gehört zu den am stärksten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Das Land konnte in den vergangenen Jahren sein Bruttoinlandsprodukt – ungeachtet der Weltwirtschaftskrise – jährlich um sieben bis acht Prozent steigern.


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