Aus: Ausgabe vom 01.11.2018, Seite 2 / Ausland

Aggression gegen Kurden

Ankara bombardiert erneut Dörfer im Norden Syriens

Von Karin Leukefeld
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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch in Ankara

Die türkische Armee hat am Mittwoch morgen die Dörfer Korel, Selim und Aschma westlich der vor allem von Kurden bewohnten Stadt Kobani (Ain Al-Arab) im Norden Syriens beschossen. Bereits am Dienstag griff das Militär des Nachbarlandes den Grenzort Tel Abjad an. Zivilisten seien verletzt worden, wie die Nachrichtenagentur Anha berichtete. Bei Kämpfen im syrisch-türkischen Grenzgebiet wurden am Mittwoch vier Kämpfer der kurdischen Volksverteidigungskräfte (YPG) getötet, sechs weitere wurden verletzt.

In einer Stellungnahme des Militärbündnisses Syrisch-Demokratische Kräfte (SDK) hieß es, man habe »das Recht, für jeden Angriff auf unsere Gebiete Vergeltung zu üben«. Der Demokratische Rat Syriens, eine Dachorganisation der SDK, verurteilte in einem Statement vom Dienstag die türkische Aggression und rief die US-geführte »internationale Koalition gegen den IS« dazu auf, »ihrer Verantwortung nachzukommen«. Außerdem forderte das Bündnis die syrische Regierung auf, »nicht zu schweigen und im Rahmen der internationalen Gesetzgebung Maßnahmen zu ergreifen«.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Samstag bei dem Gipfeltreffen zwischen der Türkei, Frankreich, Russland und der Bundesrepublik die syrisch-kurdische Partei der demokratischen Union (PYD) mit der Terrororganisation »Islamischer Staat« gleichgesetzt. Man werde sie »vernichten und zerstören«.

Die Türkei will ihre Präsenz in Nordsyrien weiter in Richtung Osten ausdehnen. Offiziell begründet Erdogan das mit der »Bekämpfung des Terrors« von IS und PYD. Es könnte allerdings auch der Ausweitung der türkischen Kontrolle über die Erdöl- und Gasressourcen im Norden und Osten Syriens dienen – mit stillschweigender Zustimmung der USA. Ankara sieht sich als »regionales Drehkreuz für Öl- und Gaslieferungen«, wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier am Freitag in Ankara feststellte. Berlin wolle das unterstützen.

Riza Altun, Mitglied im Exekutivrat der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK), erklärte gegenüber dem Fernsehsender Mediya TV, dass die USA dem Nahen Osten »eine neue Ordnung geben möchten«. Diese stehe »im Kontext einer Neuordnung globaler Verhältnisse«, so der PKK-Mitbegründer. Dieses Bestreben sei mit immer neuen Krisen verbunden.


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