Aus: Ausgabe vom 30.10.2018, Seite 11 / Feuilleton

Die erste Garde

Zum Tod des vielseitigen Filmkünstlers Hubert Hoelzke

Von F.-B. Habel

Hubert Hoelzke ist tot. Der Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor verstarb am Sonntag wenige Wochen nach seinem 93. Geburtstag in einer Berliner Klinik. Mit ihm verlässt uns ein vielseitig erfolgreicher Künstler bei Film, Fernsehen und Theater.

Den Berliner hatte es nach Notabitur und Einsatz in der Kriegsmarine nach Magdeburg verschlagen, wo er eine Schauspielausbildung machte. Nach mehreren Stationen an Thüringer Bühnen kehrte er Mitte der 50er Jahre zurück nach Berlin. Er gastierte am Theater der Freundschaft und der Kabarettbühne Distel, wurde im Metropol-Theater als Komiker gefeiert und wurde in den »Stacheltier«-Kurzfilmen der DEFA republikweit populär. Vor allem das noch junge Fernsehen wurde sein Metier, wo er sich nicht auf eine Profession festlegte. Er führte Regie und spielte – beispielsweise 1959 die Titelrolle in der Satire »Der Feigling« von Slatan Dudow, die mangelnde Zivilcourage geißelte. Im komischen Fach erwies sich Hoelzke als originell, bestand aber auch in anderen Genres, so 1963 als Howie in »Tod eines Handlungsreisenden« in eigener Regie. Gelegentlich setzte er in Kinolustspielen kleine Glanzlichter, wenn er beispielsweise aufgeregte Fernsehleute spielte, wie in »Silvesterpunsch« (1960) oder »Der Mann, der nach der Oma kam« (1972).

Seit den 60er Jahren schrieb Hoelzke zahlreiche Drehbücher und hob gemeinsam mit Günter Prodöhl die erfolgreiche Reihe »Kriminalfälle ohne Beispiel« aus der Taufe, für die er 1967–71 bundesdeutsche Skandale, beispielsweise um den entführten Jungen Timo Rinnelt, die Dominas-Bande sowie Vera Brühne und Johann Ferbach, in Mehrteilern auf den Bildschirm brachte.

Hoelzkes Hauptwerk ist zweifellos die aufwendige Serie »Märkische Chronik« (1983 und 1988) nach einer Vorlage von Bernhard Seeger. In 18 einstündigen Folgen wird die Geschichte eines Dorfes erzählt, beginnend mit dem Kriegsbeginn 1939 über die schweren Nachkriegsjahre bis zu den Auseinandersetzungen um die Kollektivierung 1960. Mit Walter Plathe, Gerd Blahuschek, Ute Lubosch und Ursula Karusseit stand hier die erste Garde der DDR-Schauspieler vor der Kamera. Hoelzkes Herkunft vom Theater ließ ihn immer wieder große Schauspieler wie Gisela May, Norbert Christian, Erika Pelikowsky oder Dietrich Körner zu bemerkenswerten Leistungen führen. Solche zeigte auch seine Frau Evamaria Bath, die er beispielsweise in seinem Polizeiruf-Film »Die letzte Kundin« als Mörderin besetzte. Beide waren seit Beginn der 50er Jahre zusammen.

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