Aus: Ausgabe vom 26.10.2018, Seite 8 / Ansichten

Taser-Fans des Tages: SPD, Linke, Grüne

Von Markus Bernhardt
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Sieht aus wie ein Spielzeug, kann aber tödlich sein: Der Taser

Die neuen Polizeigesetze der Länder sehen vor, dass die Freunde und Helfer künftig auch mit sogenannten Tasern ausgestattet werden. Das klingt hip und schick, es handelt sich dabei aber um vernichtende Waffen. Diese Elektroschockpistolen haben Metallpfeile, die sich in menschliche Körper bohren können. Kurzzeitig kann eine Spannung von bis zu 50.000 Volt auf die Zielperson übertragen werden. Infolge dessen erlahmt die Muskulatur und lässt den Getroffenen bewegungsunfähig zu Boden fallen. Vor allem für Menschen mit Herz- und Kreislauferkrankungen und Konsumenten chemischer Drogen stellen Taser eine lebensgefährliche Gefahr dar.

Erst kürzlich gab die US-amerikanische Sektion von Amnesty International bekannt, dass in den USA zwischen 2001 und 2017 über 700 Todesfälle im Zusammenhang mit den Elektroschockpistolen gezählt wurden. Deutsche Law-and-order-Politiker wollen da nicht nachstehen, und nun kam es, wie befürchtet: Am Montag verstarb in Nürnberg ein 43jähriger Mann, der zuvor von der Polizei mit einem Taser beschossen worden war. Damit hat auch die Bundesrepublik ihr erstes Todesopfer durch diese Waffe zu verzeichnen – und das noch bevor sie überhaupt flächendeckend im Einsatz ist.

Vor allem dem »rot-rot-grünen« Berliner Senat mangelt es in Sachen Taser-Ausstattung nicht an Phantasie. Um juristische Hürden bei der Einführung zu umgehen, sollen die Elektroschocker künftig nur als »Hilfsmittel der körperlichen Gewalt« und nicht als Waffe an sich klassifiziert werden, wie Torsten Akmann (SPD), Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Inneres, kürzlich bekannt gab. Auch im »rot-rot« regierten Brandenburg sollen bald Polizisten mit Tasern auf potentielle Opfer losgehen – im Rahmen der geplanten Polizeigesetzverschärfungen. Was die CDU kann, können SPD, Linke und Grüne schon lang.


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