Aus: Ausgabe vom 26.10.2018, Seite 1 / Ausland

Moskau: USA lenkten Drohnenangriff

US-Flugzeug soll Dschihadistenattacke auf russisches Militär in Syrien koordiniert haben

Von Arnold Schölzel
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Nahe der US-Basis Rota in Südspanien am 16. September 2017: Eine Boeing »P-8 Poseidon« der US-Marine

Ein US-Spionageflugzeug hat am 6. Januar einen dschihadistischen Drohnenangriff auf russische Militärstützpunkte in Syrien gelenkt. Das erklärte der stellvertretende Verteidigungsminister Russlands, Generaloberst Alexander Fomin, am Donnerstag auf einer Sicherheitskonferenz in Beijing. Es war das erste Mal, dass Moskau direkt die USA beschuldigte, einen Angriff auf russische Verbände koordiniert zu haben. Damals näherten sich laut Fomin zehn unbemannte Luftfahrzeuge der Luftwaffenbasis Hmeimim und drei dem Flottenstützpunkt Tartus zur gleichen Zeit, als ein US-Flugzeug vom Typ P-8 Poseidon über dem Mittelmeer kreuzte. Als die russischen Streitkräfte elektronische Abwehrmaßnahmen einleiteten, hätten die Drohnen ihre Flüge im manuellen Betrieb fortgesetzt. Fomin formulierte, die Geräte seien nicht »von einigen Bauern« gelenkt worden, sondern von »einer standardmäßig gut ausgestatteten P-8 Poseidon«. Als die Drohnen in den Bereich der russischen Abwehr gerieten, wurden sie laut Fomin weggelenkt. Irgendjemand habe »die Drohnen zu den sogenannten Löchern (in der russischen Verteidigung, jW)« geführt, bevor sie von Boden-Luftraketen zerstört worden seien. Drei Drohnen wurden laut Fomin unversehrt außerhalb von Hmeimim zu Boden gebracht und von russischen Experten untersucht. Es sei das erste Mal gewesen, dass Dschihadisten derart technisch hochentwickelte Geräte eingesetzt hätten, die »nur aus einem Land, das über modernste Technologien verfügt« stammen könnten. Im Januar hatte das Pentagon erklären lassen, »diese Geräte und Technik können leicht auf dem freien Markt erworben« werden.

Der Pressesprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow, erklärte am Donnerstag gegenüber Journalisten in Moskau, das seien »sehr beunruhigende« Angaben. Jeder solle sich dessen bewusst sein, »dass unsere Militärs entsprechende Schlussfolgerungen ziehen«. Peskow schloss nicht aus, dass der Vorfall bei dem möglichen Treffen Putins mit US-Präsident Donald Trump am 11. November in Paris zur Sprache kommt.


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