Aus: Ausgabe vom 25.10.2018, Seite 10 / Feuilleton

Mit großer Leidenschaft

Von Matthias Reichelt

Der Germanist Jürgen Schutte ist tot. Wie jW von seiner Familie erfuhr, ist der 1938 in Fürstenwalde geborene Peter-Weiss-Forscher nur knapp drei Monate nach seinem 80. Geburtstag nach längerer Krankheit am 19. Oktober in Berlin gestorben. Viele Jahre lehrte Schutte als Professor für Germanistik an der FU Berlin und an Universitäten in Beijing und Bangkok sowie am Berliner Stanford College. Zudem erarbeitete er Ausstellungen zur Nachkriegsliteratur und der »Gruppe 47« für die Akademie der Künste in Berlin. Sein Name ist untrennbar mit der Forschung zum Werk des sozialistischen Schriftstellers Peter Weiss verbunden. Zum 100. Geburtstag des Autors edierte Schutte 2016 für den Suhrkamp-Verlag eine überarbeitete Fassung der »Ästhetik des Widerstandes«, in der die Fehler älterer Fassungen beseitigt waren. Jürgen Schutte trug dabei Weiss’ Kritik vor allem an der alten Suhrkamp-Ausgabe Rechnung (siehe jW-Gespräch vom 22.10.2016). Anfang dieses Jahres gab er das hervorragende Themen- und Personenregister zur »Ästhetik des Widerstands« (Verbrecher-Verlag) heraus. Mit beiden Arbeiten, Erträge seiner jahrelangen, mit großer Akribie betriebenen Forschung, hat Schutte die Rezeption des Weiss’schen Jahrhundertwerks enorm erleichtert. Jürgen Schutte war nicht nur ein leidenschaftlicher Wissenschaftler, sondern in seiner Arbeit auch stets der internationalen Arbeiterbewegung verbunden.

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