Zum Inhalt der Seite
Asiengeschäft

Hintergrund: Handelsbilanzen

Wer hat eigentlich ökonomisch in den asiatischen Asem-Mitgliedsländern die Nase vorn – »Europa« oder die USA? Dazu hat die EU kurz vor dem Asem-Gipfel aktuelle Daten publiziert. Demnach übertrifft der Außenhandel der 28 EU-Länder, Norwegens und der Schweiz mit den asiatischen Asem-Ländern mit einem Volumen von 1,656 Billionen Euro denjenigen der Vereinigten Staaten mit der Region (1,281 Billionen Euro) deutlich. Auch beim Bestand an Direktinvestitionen ist die EU mit 1,039 Milliarden Euro im Vorsprung. Die USA kommen auf ein Volumen von 635 Milliarden Euro. Wenngleich die Rechnung Unschärfen hat: Weshalb zählen zum Beispiel Norwegen, die Schweiz und das bald austretende Großbritannien umstandslos zur EU, während Kanada und die USA nicht als ein nordamerikanischer Block gesehen werden? Kann man die Länder in Asien angesichts ihrer gewaltigen Differenzen wirklich so einfach zusammenfassen? Doch muss man konstatieren: »Europa« ist in Asien inzwischen ökonomisch stärker präsent.

Ergänzend hat der Ökonom Nicolas Moës vom Brüsseler Thinktank Bruegel, von dem die EU-Kommission die Zahlen erhalten hat, das transatlantische Verhältnis untersucht. Sein Ergebnis: Der Umfang des Handels zwischen EU und den USA ist deutlich kleiner als der zwischen dem Staatenbündnis und Asien. Und nebenbei: Auch für Asien ist der Handel mit den EU-28, Norwegen und der Schweiz viel wichtiger als derjenige mit den Vereinigten Staaten. Allerdings, und das wiegt schwer: Die transatlantischen Direktinvestitionen übertreffen die eurasischen und die transpazifischen erheblich, und sie sind zuletzt, in absoluten Zahlen, auch deutlich stärker gewachsen. Die europäische Wirtschaft ist demnach nach wie vor überaus eng mit der nordamerikanischen verflochten.

Anzeige

Wie werden sich die Dinge entwickeln? Berücksichtige man die »Neue Seidenstraße« und die Bemühungen der EU, enger mit Asien zu kooperieren, dann scheine die Welt eher auf dem Weg zu einem eurasischen als zu einem transpazifischen Jahrhundert, vermutete Moës im Februar. (jk)

junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 20.10.2018, Seite 3, Ausland

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!