Aus: Ausgabe vom 13.10.2018, Seite 8 / Abgeschrieben

Trotz alledem!

Im Aufruf zur Teilnahme an der Demonstration zur Luxemburg-Liebknecht-Ehrung am 13. Januar 2019 heißt es:

Jahr um Jahr im Januar kommen Tausende Menschen mit Nelken und Rosen zum Grabmal von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin-Friedrichsfelde. Und weil dies 2019 der 100. Jahrestag ihrer Ermordung sein wird und der fanatische Ungeist ihrer Mörder vielerorts in Deutschland und Europa eine unheilvolle Auferstehung feiert, soll unser »Trotz alledem!« unüberhörbar werden!

Was hatten diese beiden Wortführer der Linken, Gründer der KPD, verbrochen, dass sie bespitzelt, gefangen, gefoltert und bestialisch umgebracht wurden? Waren sie für immer neue Kriege? Nein, sie waren für dauerhaften Frieden! Wollten sie noch mehr Schweiß und Blut auf dem Altar der Stahlbarone opfern? Nein, sie waren gegen die Ausbeutung unseres und anderer Völker! Dachten sie wie unsere Herrscher: »Viel Feind – viel Ehr«? Nein, sie wirkten für die Solidarität der Menschen und Völker. Folgten sie den nationalistischen, rassistischen, antisemitischen Rattenfängern? Nein, sie rissen ihnen die Masken vom Gesicht.

Deshalb sprachen sie auf Kundgebungen, sammelten sie Verbündete, wurden sie eine wachsende Gegenkraft. Eben deshalb wurden sie von den reaktionären Trupps des Freikorps, der Geheimdienste und Reichswehr verfolgt und zuletzt grausam abgeschlachtet. Wie viele andere davor. Die Herrschenden nannten das »Ordnung schaffen«. Es wurde die Startbahn für Hitlers braune Kolonnen.

Am Tag ihrer Ermordung erschien der Artikel »Trotz alledem« von Karl Liebknecht. Und am Vortag hatte Rosa Luxemburg geschrieben: »Ich war, ich bin, ich werde sein!« Unser gemeinsames Gedenken löst ihr Gelöbnis ein. Obwohl inzwischen im Osten Europas der Kapitalismus restauriert wurde? Wir sagen: »Trotz alledem!« Obwohl inzwischen acht superreiche Familien mehr Vermögen haben als die ärmere Hälfte der Erdbewohner? Obwohl so viele Kriege und Bürgerkriege toben? Obwohl über 65 Millionen Menschen auf der Flucht sind – zwischen Trümmern, Schlauchbooten und Sperrzäunen? Obwohl das starke und reiche Deutschland um Abschieberekorde ringt? Obwohl wieder mal deutsche Truppen an der russischen Grenze stehen und der Präsident der USA seinen Rüstungsetat verdoppelt? Wir sagen: Gerade deshalb und »Trotz alledem!« Und demonstrieren in diesem Geist friedlich am 13. Januar 2019. Wir wollen keine Festung Europa! Wir wollen eine Welt des Friedens, der Solidarität und des lebenswerten Lebens auf allen Kontinenten! Das halten wir für möglich: »Trotz alledem!«

http://www.ll-demo.de

Die Gruppe Corasol (Contre le racisme – Show solidarity) veranstaltet am Montag von 16 bis 18 Uhr ihre jährliche Gedenkkundgebung am Pariser Platz in Berlin. Dazu teilte die Initiative mit:

Gemeinsam wollen wir all der Menschen gedenken, die auf der Flucht nach Europa gestorben sind. Wir wollen unsere Trauer aber auch unsere Wut zum Ausdruck bringen und uns solidarisch zeigen mit all denjenigen, die nicht angekommen sind. Allein von Januar bis Juli 2018 sind laut UNO mehr als 1.600 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Deutlich mehr als in den Jahren zuvor. (…) Die Zahl derjenigen, die in der Wüste gestorben sind, ist nicht bekannt. (…) Um den Toten noch einmal eine Stimme zu geben, wollen wir ihrer öffentlich im Zentrum Berlins gedenken. (…)


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