Aus: Ausgabe vom 13.10.2018, Seite 8 / Ansichten

Mobbingopfer des Tages: Melania Trump

Von Jan Greve
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Was soll man dazu noch sagen? Melania Trump in Kenia (5.10.2018)

So ein Leben als First Lady im Weißen Haus ist wohl nicht einfach. Schon gar nicht, wenn der eigene Gatte einem als US-Präsident regelmäßig die Show stiehlt, indem er mit Superlativen um sich wirft, als ob es kein Morgen gäbe. Melania Trump weiß sich allerdings zur Wehr zu setzen, mit Hilfe des guten alten Liedes über das eigene Opferdasein. »Ich könnte sagen, ich bin die am meisten gemobbte Person auf der Welt«, erklärte sie ernsthaft in einem Interview des Senders ABC News, das am Freitag ausgestrahlt wurde.

Tatsächlich sorgte Trump mit ihrer Kleiderwahl jüngst mal wieder für Kopfschütteln. Bei ihrer gerade erst beendeten Reise durch den afrikanischen Kontinent machte sie was? Genau, eine Safari in Kenia. Was man als reiche, weiße Westlerin eben so unternimmt. Dabei trug sie, wie auf Bildern aus der vergangenen Woche zu sehen war, einen weißen Tropenhelm. Matt Carotenuto, Professor für afrikanische Geschichte an der St. Lawrence Universität in New York, schrieb auf Twitter von einem zur Schau gestellten stereotypischen Dreier: »Elefanten, Waisen und sogar der Tropenhelm«.

Muss dieser ästhetische Fauxpas nun als unsensibel kritisiert werden, weil er unverblümt Assoziationen an Zeiten von Kolonialherren weckt? Oder muss man Melania Trump zugestehen, dass sie ganz bewusst ihren Stolz über ihren Herrscherinnenstatus zur Schau trägt? Oder ist eine solche Unterstellung dann doch wieder nur Mobbing?

Laut Duden bedeutet mobben soviel wie »einen Arbeitskollegen ständig schikanieren – mit der Absicht, ihn bzw. sie aus der Firma ö. ä. zu vertreiben«. Was in Zeiten stetig zunehmender Konkurrenz in beschleunigten kapitalistischen Märkten auf immer mehr Menschen zutrifft, soll nun bei der First Lady kulminieren? Aber Moment mal: Mit Schikane aus dem Amt vertreiben? So etwas geht auch bei US-Präsidentenpaaren? Mobbt los!


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