Aus: Ausgabe vom 12.10.2018, Seite 15 / Feminismus

Noch immer 1.000 Frauen in IS-Gewalt

Zentralrat der Jesiden hofft nach Nobelpreisvergabe auf mehr Öffentlichkeit

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Jesidische Kinder mit Porträts der Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad am 5. Oktober

Nach der Vergabe des Friedensnobelpreises an Nadia Murad hofft der Zentralrat der Jesiden, dass die Versklavung der Jesidinnen in IS-Gefangenschaft wieder stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerät. »Es sind immer noch etwa 1.000 Frauen in den Händen des IS – so wie es Nadia Murad war«, sagte der Vorsitzende Irfan Ortac in einem Interview mit der Heilbronner Stimme, das am Samstag veröffentlicht wurde. »Sie werden versklavt und missbraucht.«

Die irakische Menschenrechtsaktivistin Murad hatte den Friedensnobelpreis gemeinsam mit dem kongolesischen Arzt Denis Mukwege erhalten. Das Norwegische Nobelkomitee hatte die Entscheidung am Freitag vergangener Woche bekanntgegeben.

»Nadia hat diesen Preis mehr als andere verdient«, sagte Ortac. »Seit vier Jahren ist sie unermüdlich unterwegs, um auf das Schicksal der Jesiden und anderer Opfer des IS hinzuweisen.«

Murad war mehrere Monate lang von der Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) als Sexsklavin gefangengehalten worden, nachdem der IS im August 2014 ihr Dorf Kocho in der nordirakischen Region Sindschar überfallen, dort mehrere hundert jesidische Männer ermordet sowie Frauen, Mädchen und vorpubertäre Jungen verschleppt hatte. Letztere wurden zum Teil einer Gehirnwäsche unterzogen und als Kindersoldaten missbraucht.

Nadia Murad gelang nach etwa drei Monaten die Flucht aus der IS-Gefangenschaft. Inzwischen lebt sie in Baden-Württemberg und kämpft dafür, dass die Täter vor ein internationales Gericht kommen. Insgesamt hatten 115 Organisationen sowie 216 Einzelpersonen auf der Nominierungsliste der Jury für den Friedensnobelpreis 2018 gestanden.

Denis Mukwege, mit dem sich Murad die Auszeichnung teilt, hilft als Gynäkologe im Kongo Frauen, die Opfer schwerster sexueller Gewalt wurden. (dpa/jW)


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