Aus: Ausgabe vom 10.10.2018, Seite 10 / Feuilleton

Wolff, Stahnke, Staack, Schenk

Von Jegor Jublimov
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Abteilung »heitere Dramatik«: Ursula Staack (Mitte) in »Der große Schwoof« (Brandenburger Theater, Oktober 2007)

Zum 75. Geburtstag prophezeiten wir an dieser Stelle, Achim Wolff werde sich in der Rolle des Gutsbesitzers Klapproth in der Theaterkomödie »Pension Schöller« noch steigern. Er hatte sie bis dahin um die 1.000mal gespielt, inzwischen sind es etwa 1.300mal. Im Frühjahr stand Wolff damit kurz vorm blamablen Abriss auf der Bühne des Theaters am Kurfürstendamm in Berlin. Dass der TV-Liebling aus »Salto Postale/Kommunale« am Sonnabend 80 wird, merkt man ihm nicht an.

»Es hat sich in letzter Zeit bei unseren Regisseuren eine Sucht breitgemacht, in jedem neuen Film neue Filmgesichter zu entdecken, die für den Zuschauer ein unbeschriebenes Blatt waren«, klagte 1959 der Filmkritiker der Jungen Welt. Der hieß Günter Stahnke und war im Begriff, selbst Filme zu inszenieren. Durchweg neue Gesichter – nämlich Kinder – entdeckte er für seinen kleinen Opernfilm »Vom König Midas« (1963), den Günter Kunert und Komponist Kurt Schwaen geschrieben hatten. Die drei waren schon die führenden Köpfe der Fernsehoper »Fetzers Flucht« (1962) gewesen.

Ungewöhnliche Stilmittel brachten Stahnke den Vorwurf des Formalismus ein, und der Film »Der Frühling braucht Zeit« (1965) über eine Havarie in einem Gaswerk und einen von Eberhard Mellies gespielten parteilosen Helden wurde sein letzter bei der DEFA. Stahnke wich im Fernsehen in die »heitere Dramatik« aus, bekam aber auch dort Schwierigkeiten. Anstoß erregten satirische Elemente etwa in Karlhermann Roehrichts Volksstück »Familie Birnchen« mit Ingeborg Krabbe, das 1976 produziert und erst 1982 gesendet wurde. Stahnkes Zweiteiler »Fischzüge« wurde 1975 zum Einteiler verstümmelt. Bis ins neue Jahrtausend hinein besorgte der Berliner, der heute 90 wird, heitere Bühneninszenierungen, oft mit seiner Frau Helga Piur.

Bei der »Heiteren Dramatik« überzeugte auch Ursula »Uschi« Staack, die heute 75 wird. Jahrzehntelang gehörte sie zum Ensemble des Deutschen Theaters, war nach ihrem Debüt als Fausts Gretchen 1967 oft unterbeschäftigt und ging beim Fernsehen fremd. Hier und in Soloprogrammen wie »Kinder, heut’ Abend, da lass ich keinen aus« löste sie erotische Beben in der DDR-Kultur aus. Später schaffte sie den Übergang zur mütterlichen Komikerin in Serien wie »Mama ist unmöglich« und »Wie erziehe ich meine Eltern?«

Auch Frank Schenk wird heute 75, mit Staack spielte er u. a. in »Ikarus« (1975) von Heiner Carow, in dessen Kultfilm »Die Legende von Paul und Paula« er 1972 die zwiespältige Rolle des Kollegen Schmidt gestaltet hatte. Publikumsliebling wurde der Schauspieler, der heute als Frank-Otto Schenk vor allem als Synchronsprecher tätig ist, neben Friedel Nowack in der Serie »Die lieben Mitmenschen« (1972–74).


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