Aus: Ausgabe vom 10.10.2018, Seite 2 / Kapital & Arbeit

Bahner haben keine Wahl

Logistikkonzern der DB AG verweigert Beschäftigten Tarifverhandlungen

Von Simon Zeise
DB_Schenker_51418896.jpg
Bei der Transa-Spedition, einer Tochter des Deutsche-Bahn-Logistikunternehmens Schenker, gibt es bisher keinen Tarifvertrag. Ob sich das bald ändert?

Die Deutsche Bahn AG ist ein Flickenteppich. Die einzelnen Geschäftssparten hat der Konzern ausgegliedert, um sie profitabler führen zu können. In der Tochtergesellschaft DB Schenker wird der Transport abgewickelt, der nicht auf Schienen läuft. Sie umfasst ein Sammelsurium zahlreicher ausgegliederter Dienstleister. Einer davon ist die Transa-Spedition. Den Beschäftigten der Berliner Geschäftsstelle reichte es am Montag. Sie traten in den Warnstreik.

Seit Wochen verweigert die Geschäftsleitung den Tarifforderungen der zuständigen Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) die Zustimmung. »Wir sind bereits in der vierten Verhandlungsrunde, ohne dass ein Ergebnis auf dem Tisch liegen würde. Um unsere Forderungen zu unterstreichen, haben wir deshalb zum Arbeitskampf aufgerufen«, teilte EVG-Verhandlungsführer Guntram Grasy mit. Dabei fordern die Kollegen gar nicht viel: 2,5 Prozent mehr Geld sollen es sein. Das sind nur 0,7 Prozentpunkte mehr als die Inflation im vergangenen Jahr.

Dazu fordern die Beschäftigten ab dem kommenden Jahr die Einführung des EVG-Wahlmodells, das auch in den Tarifverhandlungen mit der Bahn AG die zentrale Rolle spielen wird. »Das EVG-Wahlmodell, also die Möglichkeit, sich individuell für 2,6 Prozent mehr Geld oder sechs Tage mehr Urlaub oder eine Arbeitszeitverkürzung zu entscheiden, haben wir zwischenzeitlich in rund 60 Unternehmen durchgesetzt. Für uns gibt es keinen Grund, warum unsere Kolleginnen und Kollegen bei der Transa-Spedition hiervon nicht auch profitieren sollten«, erklärte Grasy.

»In dieser Form habe ich eine Blockadehaltung der Geschäftsführung noch nicht gesehen«, sagte die Berliner Betriebsgruppenvorsitzende Sabine Holleitner am Dienstag gegenüber jW. Die Geschäftsleitung dürfte sich auch deshalb querstellen, weil durch die neuen Regelungen ein Rechtsanspruch auf Urlaub definiert würde und somit mehr Personal eingestellt werden müsste. Zudem soll sich die Geschäftsführung an einem Sozialfonds beteiligen und eine betriebliche Altersvorsorge von bis zu 2,2 Prozent mitfinanzieren, fordern die Gewerkschafter. Am Donnerstag beginnen die Tarifverhandlungen der EVG mit dem Mutterkonzern.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Mehr aus: Kapital & Arbeit
  • IWF schreibt Krisenländern Kürzungen vor. Neuester Kandidat ist Pakistan. Nur Berlin soll endlich Geld ausgeben
    Simon Zeise
  • Konzern wollte erhöhte »Aufmerksamkeit« der Behörden vermeiden