Aus: Ausgabe vom 10.10.2018, Seite 1 / Titel

Wölfe im Fadenkreuz

Politiker fordern, den Gruß türkischer Faschisten zu verbieten. Debatte um Erdogans Sicherheitspersonal

Von Nick Brauns
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Anhängerin der Grauen Wölfe zeigt den Gruß der faschistischen Organisation (Düsseldorf, 8.5.2016)

Aus unterschiedlichen Ecken des politischen Spektrums wird in der Bundesrepublik die Forderung nach einem Verbot der faschistischen Grauen Wölfe aus der Türkei und ihrer Symbole laut. »Jede Form des Faschismus ist menschenverachtend und eine Bedrohung für unsere freiheitliche Gesellschaft«, erklärte der CDU-Innenpolitiker Christoph de Vries gegenüber Bild (Dienstagausgabe). Die Vizefraktionschefin der Linksfraktion Sevim Dagdelen forderte ein Verbot des Wolfsgrußes, einer zum Wolfskopf geformten Hand, der »mit dem Hitlergruß durchaus vergleichbar« sei. In der Türkei sind die Grauen Wölfe für zahlreiche Morde an Linken, Aleviten und Kurden verantwortlich. Ihre Mutterpartei MHP befindet sich in einer antikurdischen Kriegsallianz mit der religiös-nationalistischen Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Vorbild für die Forderung nach einem Verbot der Grauen Wölfe ist das Nachbarland Österreich. Dort hatte die rechtsgerichtete Regierung von Bundeskanzler Sebastian Kurz vergangene Woche beschlossen, die Symbole der Grauen Wölfe, der Muslimbruderschaft und der kroatischen faschistischen Ustascha, aber auch der palästinensischen Hamas, der libanesischen Hisbollah und der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu verbieten.

In der Bundesrepublik verfügen die Grauen Wölfe über Zehntausende Anhänger. Dass diese sich hier ausbreiten konnten, verdanken sie auch dem Bundesnachrichtendienst (BND). Denn der förderte in den 70er Jahren die Gründung des MHP-Auslandsverbandes Türkische Föderation als Gegengewicht zur linken Bewegung innerhalb der türkeistämmigen Arbeitsmigration. In gemeinsamer antikommunistischer Verbundenheit hatte der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU) dem Gründer der MHP Alparslan Türkes bei einem Treffen 1978 versichert, in der Bundesrepublik ein »günstiges psychologisches Klima« für die Grauen Wölfe zu schaffen.

Davon scheinen auch die Mitglieder einer Gruppe namens »Team Yörükoglu Europa« zu profitieren, die während des Staatsbesuchs des türkischen Präsidenten Erdogan Ende September als Sicherheitsmänner auftraten. Laut einem am Dienstag veröffentlichten Bericht des NDR werden die Mitglieder dieses Teams, die auf Fotos den Gruß der Grauen Wölfe zeigen, vom türkischen Generalkonsulat in Hamburg und Vertretern der AKP regelmäßig als Ordner oder Sicherheitspersonal angeheuert. Der Anführer des Teams, der Betreiber eines Handyladens aus Hamburg namens Nuri Harmankaya, ist wegen illegalen Waffenbesitzes vorbestraft. Auf Facebook bezeichnet er sich als »Soldaten Erdogans« und prahlt mit einer Schusswaffe. Während der Eröffnung der DITIB-Moschee durch Erdogan in Köln am 30. September sperrten Harmankayas Leute eine Straße mit Polizeiabsperrband ab – eine hoheitliche Aufgabe, die nur die Polizei durchführen dürfte. Während des G-20-Gipfels im Juli letzten Jahres posierten die Männer von Team Yörükoglu auf dem Rollfeld des Hamburger Flughafens vor der türkischen Regierungsmaschine. Wie sie ohne Akkreditierung in den geschützten Bereich gelangen konnten, beantwortete das Bundeskriminalamt auf Nachfrage des NDR nicht. Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag Ulla Jelpke will nun mit einer kleinen Anfrage herausfinden, ob diese Truppe Verbindungen zum türkischen Geheimdienst sowie der im Juli vom Bundesinnenministerium verbotenen AKP-nahen Rockergruppe »Osmanen Germania« hat.


Debatte

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  • Beitrag von Matthias M. aus H. ( 9. Oktober 2018 um 20:48 Uhr)

    Schade nur um den »Leisefuchs« ...

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