Aus: Ausgabe vom 09.10.2018, Seite 8 / Ansichten

Ratgeber des Tages: Jens Stoltenberg

Von Roland Zschächner
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In der NATO herrscht, wie in jeder großen Organisation, Aufgabenteilung. Washington hat den Hut auf, wenn es ums Grobe geht, etwa Länder in Schutt und Asche legen oder Regierungen nach Gutdünken ersetzen. Die anderen Mitgliedsstaaten müssen da mitziehen und – so ist es nun einmal bei militärischen Formationen – sich bedingungslos unterordnen.

Damit dies nicht zu Unmut führt, gibt es den Posten des NATO-Generalsekretärs, der von den europäischen Mitgliedern gestellt wird. Er ist so etwas wie das zivile Aushängeschild: Anzug statt Uniform und immer ein flotter Spruch auf den Lippen. Die Äußerungen sind meist dem zuzuordnen, was als »Neusprech« bezeichnet werden kann: Krieg ist Frieden, Bomben werfen für Menschenrechte …

Aktuell ist Jens Stoltenberg NATO-Generalsekretär. Seine Aufgabe ist es, in feinster Vertretermanier die aggressive Osterweiterung des Militärbündnisses voranzutreiben. So auch auf dem Balkan, den er zur Zeit besucht. Am Wochenende war er in Belgrad, das sein Auftraggeber vor nicht einmal 20 Jahren bombardiert hatte. Schwieriges Terrain also. Doch für einen wie Stoltenberg kein Problem, schließlich habe er als Kind in der »weißen Stadt« gelebt, dort Eis gegessen und Kinderlieder gehört.

Vor Studenten gab sich Stoltenberg betroffen: Das NATO-Bombardement 1999 sei gar nicht gegen Zivilisten gerichtet gewesen, sondern diente zu deren Schutz vor dem damaligen Präsidenten Slobodan Milosevic. Dass mindestens 2.500 der Schutzbefohlenen dabei ermordet wurden, verschweigt Stoltenberg ebenso wie die Tatsache, dass die verschossene Uranmunition noch immer die Umwelt belastet. Und weil der Stärkere niemals nachgibt, hat der NATO-Mann auch noch einen zynischen Rat parat: »Wir müssen in die Zukunft schauen.« Bei einem wie Stoltenberg kann das nur als Drohung verstanden werden.


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