Aus: Ausgabe vom 08.10.2018, Seite 16 / Sport

Geschlossen im Rausch

Frauen-Volleyball-WM: Deutschland dreht Spiel gegen Brasilien

Von Jens Walter
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»Heute war unser Tag«: DVV-Auswahl nach dem Schlusspfiff

Die deutschen Volleyballerinnen wuchsen am Sonntag bei der Weltmeisterschaft in Japan über sich hinaus, als niemand mehr einen Pfifferling auf sie gesetzt hätte. Im ersten Spiel der Zwischenrunde fanden sie gegen den zweimaligen Olympiasieger Brasilien lange keinen Rhythmus, verloren die ersten beiden Sätze deutlich mit 14:25 und 19:25. Als sie im dritten Spielabschnitt 17:21 zurücklagen, schien die Sache gelaufen, aber das Team um Diagonalangreiferin Louisa Lippmann fasste sich ein Herz, Bundestrainer Felix Koslowski änderte durch taktische Wechsel die Dynamik, und die Auswahl des Deutschen Volleyballverbands (DVV) entschied den dritten Durchgang mit 32:30 für sich. In der Folge spielte sie sich in einen Rausch, gewann den vierten Satz mit 25:19, und nach 2:28 Stunden verwandelte Lippmann den zweiten Matchball zum ersten Sieg einer deutschen Frauenauswahl gegen Brasilien bei einem großen internationalen Turnier.

»Das passiert dir einmal in 100 Spielen, 99mal geht es schief«, meinte Koslowski. »Heute war unser Tag. Wir haben eine Riesengeschlossenheit.« Angreiferin Lippmann ragte mit 36 Punkten erneut als Topscorerin des Teams heraus. Insgesamt hat die 24jährige, die nach der WM vom Schweriner SC zu Bisonte Florenz wechseln wird, schon 129 Zähler beigesteuert. Auch ihre Aufschläge sind gefürchtet, 15 Asse hat die gebürtige Herforderin bereits geschlagen. Die 1,91 Meter große Rechtshänderin ist keine, die sich gern hervorheben lässt. »Volleyball ist ein Mannschaftsding«, sagt sie gerne, wenn jemand ihr so kommt. Auch die Partie gegen Brasilien wurde nicht durch Einzelleistungen herumgerissen. Spielführerin Maren Fromm steuerte 20 Punkte bei, Jennifer Geerties 16 Punkte. Und in der Annahme, zuvor die Schwachstelle im deutschen Spiel, überzeugte das Team nach den Startschwierigkeiten.

Lippmann hält sich nicht einmal für ein Riesentalent – »Ich musste immer härter arbeiten, länger trainieren« –, aber sie hat auch in Japan, dem »Mutterland des Frauen-Volleyballs« (Koslowski), schon einen Fanklub. Der Wechsel nach Italien, wo ihr Sport einen anderen Stellenwert hat, dürfte sie noch besser machen, und darum freut sich Koslowski über Lippmanns Umzug in die herbstliche Toskana, obwohl er als Trainer des Schweriner SC eine Leistungsträgerin verliert.

Bei der WM trafen die »Schmetterlinge« des DVV in der vergangenen Nacht (3.40 Uhr) auf Europameister Serbien. Es folgen Partien gegen Puerto Rico (Mittwoch, 9.10 Uhr) und die Dominikanische Republik (Donnerstag, 6.25 Uhr). Ein Einzug ins Halbfinale ist nach Niederlagen gegen die Niederlande und Gastgeber Japan unwahrscheinlich. Aber das Team ist jung, hat einiges vor, und Lippmann erklärte im Interview mit dem Neuen Deutschland vom Wochenende: »Man muss eben auch viele Fehler machen und öfter mal was auf den Deckel bekommen, bis man daraus lernen kann.«

Fünf weitere Partien der Zwischenrunde endeten mit klaren 3:0-Erfolgen: Serbien gewann gegen Mexiko, Russland gegen die Türkei, Italien gegen Aserbaidschan. Die USA blieben gegen Bulgarien ohne Satzverlust, die Niederlande gegen Puerto Rico.


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