Aus: Ausgabe vom 02.10.2018, Seite 8 / Ansichten

Gewerkschafter des Tages: Betriebsräte von VW

Von Simon Zeise
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Bernd Osterloh, Betriebsratsvorsitzender von VW

Die Sonne stand am Montag mittag hoch über dem Kanzleramt. Am Abend musste die Regierungskoalition an des Deutschen Heiligstes. Es galt die Frage zu klären, wer für die Schummeleien der Autoindustrie geradestehen muss: Käufer oder Konzerne?

Im kurvenreichen Bayern wird in zwei Wochen ein neuer Landtag gewählt. Deshalb musste die CSU zuerst aus dem Schützengraben: Alphatier Horst Seehofer betonte in München, er lege großen Wert darauf, »dass die Fahrzeughalter finanziell nicht belastet werden«.

Für die Betriebsratsvorsitzenden der größten deutschen Autobauer ist das zu engstirnig. In Bild forderten sie, »endlich Klarheit in der Debatte zu schaffen, ohne den Blick immer wieder in die Vergangenheit zu richten« – ist doch egal, wer beschissen hat, Schwamm drüber. Wenn die Luft zum Atmen nicht mehr reicht, müssen Kapital und Arbeit an einem Strang ziehen: »Wir sind gegen eine Lösung, die einseitig deutsche Hersteller benachteiligen und Arbeitsplätze gefährden würde«, teilten die Komanager Bernd Osterloh (VW) (Foto), Manfred Schoch (BMW) und Michael Brecht (Daimler) am Montag in Bild mit. Die Genossen der Bosse favorisieren eine »Umtauschprämie«. »Mit einer Hardware-Nachrüstung, die nur deutsche Hersteller betrifft, würden wir erstens eine Wettbewerbsverzerrung erreichen und zweitens nur neue Verunsicherung der Verbraucher.«

Noch mal zum Mitschreiben: Den Wettbewerb hat VW verzerrt, indem Millionen Dieselfahrern sinngemäß vorgegaukelt wurde, ihr Auto könne mit günstigem, dreckigem Treibstoff betankt werden, die Abgase würden aber nach Lavendel und Veilchen duften. Nie zuvor hatten die Wolfsburger mehr Autos verkauft. Das zarte Pflänzchen Autoindustrie muss vor den wütenden Dieselfahrern gerettet werden.


Debatte

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  • Beitrag von günther d. aus b. ( 2. Oktober 2018 um 16:43 Uhr)

    Einen Diesel habe ich nicht. Deshalb amüsiert mich das Treiben um diesen Verbrennungsmotor ein bisschen. Besonders amüsiert aber, wie unterschiedlich die Lösungen in den verschiedenen Erdteilen aussehen. Während in Europa ein Hauen und Stechen – auch unter Einsatz der »Betriebsräte« – mit allen Mitteln, durch die die Volksmassen verdummt werden, schallt und hallt, ist es auf der anderen Seite, dort, wo unsere »Freunde« agieren, sehr ruhig. Soweit ich informiert bin, haben die Cowboys dieses Problem längst gelöst. Sie haben die Autolobby einfach verdonnert, die Stinker zurückzunehmen. Und das hat die Eigentümer der Autofabriken – also die Aktionäre – Milliarden gekostet. Warum wird so eine Patentlösung nicht auch von unserer Regierung durchgesetzt? Einfacher geht es wirklich nicht.

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