Aus: Ausgabe vom 01.10.2018, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Zynische Politiker

Zu jW vom 21.9.: »Tod bleibt Exportschlager«

Meines Erachtens sitzen die Schreibtischtäter, wenn nicht sogar Mittäter der Massaker an jemenitischen Zivilisten im Bundestag. Es sind jene Abgeordneten und Politiker, die den Export todbringender Waffen nach Saudi-Arabien zu verantworten haben, mit denen die Wahhabiten im Jemen Kriegsverbrechen begehen. Es kommt nicht von ungefähr, dass in unseren Medien über die dort verübten Verbrechen kaum etwas berichtet wird, geschweige denn, dass sich Frau Merkel überhaupt kritisch zum völkerrechtswidrigen Einsatz der Saudis gegen die Jemeniten geäußert hätte, müsste sie dann doch zugeben, dass dort mit Waffen aus der BRD Völkermord verübt wird. Dass man den Parlamentariern in Zukunft zudem auch noch jedwede Kontrolle über Waffenexporte zu entziehen trachtet, zeigt die infame Skrupellosigkeit dieser zynischen und menschenverachtenden Politiker auf. Wen wundert es also, dass sich Frau Merkel gebetsmühlenartig als Ablenkungsmanöver seit Jahren ausschließlich über die kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien äußert?

R. Eifert, Langenhagen

Sauclever

Zu jW vom 12.9.: »Den Haag unterstützt Terrorgruppen«

Erst liefern die Niederlande (und andere Friedensverkünder der NATO) ausgiebig Kriegsmaterial an diverse vom Westen aufgebaute und finanzierte Terrororganisationen, und später dann stellen sie ein paar Vorzeigeterroristen (so sie nicht aus ihren eigenen Reihen stammen) in Den Haag vor den dortigen Internationalen Strafgerichtshof. – Genial, einfach sauclever, diese »westliche Wertegemeinschaft«!

Reinhard Hopp, per E-Mail

Armutshierarchie

Zu jW vom 13.9.: »Heil würfelt nicht«

Der deutsche Asozialstaat zeigt mit dieser Almosenerhöhung, dass er den »Überflüssigen« nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnt. Alleinstehende Hartz-IV-Bezieher erhalten – ganz richtig – 60 Euro mehr Bargeld als Asylbewerber (…). Diese erhalten jedoch – je nach Kommune – günstige Tickets für den Nahverkehr. In Frankfurt am Main z. B. für 29 Euro – Hartz-IV- und Grundsicherungsbezieher zahlen dagegen 64 Euro. So nehmen sich beide Gruppen in der hiesigen »Armutshierarchie« nicht viel. Am Ende dieser »Armutshierarchie« stehen bekanntlich unter anderem die ausgebeuteten und medial in den Dreck getretenen Rumänen und Bulgaren.

Hans Gielessen, Frankfurt am Main

Theaterkampf

Zu jW vom 14.9.: »Leere Worte, zerrissene Tapete«

Frau Ishida stellt in ihrer Kritik am »Neuen Stück II« des Pina-Bausch-Tanztheaters den »Ist-Zustand« sowohl der heutigen Verhältnisse wie auch der Inszenierung heraus. Wer Pina als völlig normalen Menschen erlebte, weiß, dass sie an ihren Aufführungen stets noch »herumfuhrwerkte«. Die Begeisterung des Ensembles statt monotoner Routine über all die Jahre ist auf diese Offenheit zurückzuführen. Und diesen Geist – nein, kein Gespenst – versuchte die (skandalös noch beim Gastspiel in Paris gekündigte) neue Intendantin Adolphe Binder aufzugreifen, zitierte Pina: »Es ist noch nicht Kunst, kann aber welche werden«, in ihrem Jahresprogrammheft. An Pinas gesellschaftsentlarvende Stücke anzuknüpfen ist eines, das andere, es mit denselben »Theatervernichtern« wie früher aufzunehmen, kennzeichnet die »Theater-Kampf-Situation« über die Sparte Tanz hinaus. Hoffentlich zerbröselt bald die Kulisse der Wuppertaler Rats-Groko!

Wolfgang Richel, Wuppertal

Anpassung und Anbiederung

Zu jW vom 22.9.: »Historisches Scheitern«

Für sich genommen hatte (Enrico) Berlinguer ja sogar recht: Eine parlamentarische Mehrheit der Linken garantiert noch lange nicht, dass die Bourgeoisie diese auch akzeptiert (logische Erwägungen wie auch historische Erfahrungen legen das gerade Gegenteil nahe). Statt daraus aber den Schluss zu ziehen, dass der sogenannte parlamentarische Weg eine Illusion ist und die KP kämpferischer und wehrhafter agieren müsste, orientierte Berlinguer den PCI auf Anpassung, Anbiederung und Klassenversöhnung. Auf gewisse Weise hatte er auch damit recht – werden sozialistische Ziele nur genug verwässert, droht ganz gewiss kein Putsch mehr … Welchen Sinn aber eine (vermeintliche) Machtübernahme hat, wenn man dafür alles aufgeben muss, was man mit dieser Macht eigentlich erreichen wollte, das bleibt Berlinguers und seinesgleichen Geheimnis.

Ralph Petroff, per E-Mail

Ungeschminkt

Zu jW vom 24.9.: »Dem Wahnsinn verfallen«

Die Politik dieser »imperialistischen Staaten von Amerika« war vom Inhalt her eigentlich schon immer genauso aggressiv, genauso egoistisch, genauso räuberisch, nur im feineren Gewande halt und besser geschminkt. Elefant Trump ist wahrscheinlich nicht wahnsinnig, sondern gibt sich einfach keine Mühe, seine kriminellen und menschenverachtenden Aktivitäten zu kaschieren. Bleibt nur die Hoffnung, dass so wenigstens einige kapieren, wie Kapitalismus real unter der Maske aussieht.

Dieter Reindl, Nürnberg

Skylla und Charybdis

Zu jW vom 11.9.: »Wer sich’s leisten kann«

Die »modernen« Fragestellungen der Gewerkschaften an ihre Mitglieder verlangen Entscheidungen zwischen Skylla und Charybdis: Willst du weniger Geld oder wenig freie Zeit? – Man kann auch anders fragen: Wer kann sich eine geringe Rente leisten, wenn sie/er sich heute gegen Geld und für mehr freie Zeit entscheidet?

Anne Rieger, per E-Mail

Elefant Trump ist wahrscheinlich nicht wahnsinnig, sondern gibt sich einfach keine Mühe, seine kriminellen und menschenverachtenden Aktivitäten zu kaschieren.