Aus: Ausgabe vom 25.09.2018, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Showman und Sozialist

Ein Abend für Dean Reed |So., 20.15Uhr, MDR

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Dean Reed und der Sänger Vaclav Neckar 1977

Mutig, furchtlos, leidenschaftlich, gutaussehend, eine Naturgewalt ohne Starallüren. So wird der Sänger und Schauspieler von seinen Weggefährten in einer Dokumentation zu seinem 80. Geburtstag beschrieben. Zwar sei er ein schlechter Schauspieler gewesen, sagte die Schriftstellerin Gisela Steineckert. Aber er hätte andere Vorzüge gehabt: Z. B. sei Solidarität für ihn eine Selbstverständlichkeit gewesen – mit Chile, klar, aber auch im Alltag.

Der 1938 in Colorado geborene Reed beginnt in Hollywood seine künstlerische Laufbahn. In den sechziger Jahren steigt er mit Elvis-affinen Songs zu einem Idol in Südamerika auf. Dort politisiert er sich, wird Sozialist. Als einer der ersten Amerikaner tourt er durch die Sowjetunion. 1973 zieht er in die DDR. Der Film zeigt das Aufeinanderprallen eines pathetischen Kosmopoliten, der die Welt verändern wollte und nicht zuletzt deshalb in die DDR kam, mit im Alltag eingerichteten, zufriedenen, aber abgestumpften Menschen im sozialistischen Staat. (sk)


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