Aus: Ausgabe vom 25.09.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Absage an Trump

OPEC-Treffen in Algier: Saudi-Arabien und Russland lehnen Forderung nach Erhöhung ihrer Erdölförderung ab. Preis auf Vierjahreshoch

Von Knut Mellenthin
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Der saudische Energieminister Al-Falih reagierte verschnupft auf die Forderungen des US-Präsidenten (Algier, 23.9.2018)

Das Bündnis der OPEC mit Russland und weiteren Erdöl exportierenden Staaten, oft als »OPEC plus« bezeichnet, will seine Fördermenge in nächster Zeit nicht erhöhen. Die im Herbst 2016 vereinbarte, immer noch unverbindliche und durch konkurrierende Interessen gefährdete Allianz widersetzt sich damit den barsch vorgetragenen Forderungen von Donald Trump. Der US-Präsident hatte zuletzt am Donnerstag getwittert: »Wir beschützen die Länder des Nahen Ostens, ohne uns wären sie nicht mehr lange sicher, und trotzdem treiben sie die Ölpreise immer mehr und mehr in die Höhe! Wir werden uns daran erinnern. Das OPEC-Monopol muss jetzt die Preise nach unten bringen!«

Trumps gewollt undiplomatischer Befehlston könnte auf die 15 OPEC-Staaten und die zehn mit ihnen kooperierenden Nichtmitglieder eher kontraproduktiv gewirkt haben. Jedenfalls betonte ihr gemeinsamer Überwachungsausschuss, der am Sonntag in Algier tagte, seine Zufriedenheit mit dem »insgesamt gesunden Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage«.

Noch zwei Tage vorher hatte es Gerüchte gegeben, dass die OPEC und ihre Partner, vor allem aber Saudi-Arabien und Russland, sich auf eine Erhöhung der Fördermenge um 500.000 Barrel pro Tag (bpd) verständigen könnten. Allerdings hätte darüber beim Treffen des Joint OPEC/Non-OPEC Ministerial Monitoring Committee (JMMC) in der algerischen Hauptstadt auf keinen Fall entschieden werden können, da dieses nur Empfehlungen abgeben darf. Ein Beschluss müsste auf einer Sitzung der OPEC beraten werden und würde Einstimmigkeit voraussetzen.

Gleichzeitig mit der Sitzung des JMMC am Sonntag veröffentlichte die OPEC ihre alljährliche Prognose. Sie geht zwar davon aus, dass der globale Bedarf an Erdöl, der gegenwärtig bei ungefähr 99 Millionen bpd liegt, bis 2040 auf annähernd 112 Millionen bpd steigen wird. Für die nächste Zeit wird jedoch eher ein leichter Rückgang angenommen. Die Nachfrage werde im vierten Quartal 2018 und auch im ersten Vierteljahr 2019 sinken, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak beim Treffen in Algier voraus. Daher habe man sich entschieden, an der im Juni vereinbarten Entscheidung festzuhalten und vorerst nicht über diese hinauszugehen. Damals hatten die OPEC-plus-Staaten beschlossen, zur Stabilisierung der Ölpreise ihre Fördermenge um insgesamt eine Million bpd zu steigern. Dieses Ziel wurde allerdings im Juli um neun Prozent und im August um eine noch größere Rate verfehlt. Der international wichtigste Ölpreis erreichte inzwischen mehrmals die Marke von 80 Dollar pro Barrel und stieg als Reaktion auf die Tagung in Algier am Montag sogar auf 81 Dollar. Das ist der höchste Stand seit vier Jahren.

Auch Saudi-Arabien, an das Trumps Kommando in erster Linie gerichtet war, will keine zusätzliche Erhöhung der Ölförderung vornehmen. Der saudische Energieminister Khalid Al-Falih sagte beim Treffen am Sonntag, die Märkte seien ausreichend versorgt. Aus der gerade vorgelegten OPEC-Prognose ergebe sich, dass ein Anstieg der Nachfrage im nächsten Jahr »hochgradig unwahrscheinlich« sei, sofern es keine überraschenden Entwicklungen gäbe.

Der Bericht rechnet für 2019 mit einer Erhöhung der Fördermenge der nicht zur OPEC gehörenden Staaten um 2,4 Millionen bpd, während die globale Nachfrage nur um 1,5 Millionen bpd steigen werde. Hauptfaktor dafür ist die derzeit schnell wachsende Erdölausbeute der USA, die damit auf den Weltmarkt drängen. Den US- Exporteuren kommt dabei zugute, dass Nordamerika seinen eigenen Ölpreis bildet, der stets niedriger – im laufenden Jahr um durchschnittlich 4,46 Dollar pro Barrel – liegt als der international wichtigste Brent-Kurs.

Den saudischen Standpunkt kann man daher auch als Mahnung an die USA interpretieren, bei der Ausweitung ihres eigenen Exports, der zu Lasten der OPEC-Marktanteile geht, nicht zu aggressiv vorzugehen. Khalid Al-Falih ließ in Algier die Möglichkeit offen, die saudische Förderung unter veränderten Umständen doch noch zu erhöhen. Grundsätzlich habe sein Land eine ungenutzte Kapazitätsreserve von bis zu 1,5 Millionen bpd, falls das erforderlich werden sollte.

Iran hatte im Vorfeld der Tagung in Algier nicht nur gegen Saudi-Arabien, sondern ungewohnt heftig auch gegen Russland polemisiert. Erdölminister Bidschan Sangeneh und der iranische Vertreter bei der OPEC, Hossein Kasempur, warfen den beiden Konkurrenten vor, ihre Marktanteile auf Kosten Irans ausbauen zu wollen und praktisch sowohl die OPEC als auch die neu entstanden »OPEC plus« zu zerstören. Iran, das im Laufe dieses Jahres durchschnittlich 2,4 Millionen bpd exportiert hat, wird ab Anfang November von reaktivierten Sanktionen der USA getroffen. Die genauen Auswirkungen sind noch nicht vorhersehbar, doch könnte der Verlust in den nächsten Monaten bei etwa einer Million bpd liegen.


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