Aus: Ausgabe vom 22.09.2018, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Klasse Serie

Zu jW vom 17.9.: »Nachschlag: Lug und Trug«

Bei Ihrem Nachschlag zur Dokuserie »Krieg der Träume« spürt man, wie (…) schwer Sie sich damit tun, die Realität anzuerkennen. Sicher gibt es Dinge, die man bei solchen Sendungen kritisieren kann, Ihre Kritik allerdings kommt mir zu einseitig daher. Es wäre ein Zeichen von Größe anzuerkennen, dass die Ideale vieler junger Sozialisten von den Führern der Bolschewiki missbraucht wurden. Es ist doch heute unstrittig, dass viele der edelsten Sozialisten im Gulag endeten oder vor dem Erschießungskommando. Allerspätestens nach dem Vorgehen gegen die Kronstädter Matrosen war klar, wohin der Weg ging. Ich kann mir schon vorstellen, dass es für einen Stalinisten schwer ist, sich einzugestehen, dass Hans Beimler den stalinistischen Weg nicht für den richtigen und schon gar nicht für einen sozialistischen hielt. Aber es ist nun mal die Realität. Ich finde diese Serie klasse und wünsche mir mehr davon. Meiner Meinung nach wird auch deutlich, wie sehr sich die »braune Linie« durch Deutschland (…) zieht. Wie blind oder unwillig zu handeln der Staat bei braunem Terror in der deutschen Geschichte war und ist. Das ist heute immer noch aktueller denn je. (…)

Klaus Abele, per E-Mail

Null Prozent fordern

Zu jW vom 17.9.: »Kurs auf die 100.000er Marke«

Wir können weiter Unterschriften sammeln unter den Appell »Abrüsten statt aufrüsten«. Allerdings ist das Ziel, die Steigerung der Aufrüstungsausgaben auf zwei Prozent unseres Bruttoeinkommens zu verhindern, bei weitem nicht hinreichend. Ich bin für die Abschaffung der Bundeswehr, halte also null Prozent für die Forderung der Wahl. Aber auch jemand, der die Bundeswehr im jetzigen Umfang erhalten will, könnte sich mit etwa 0,8 Prozent zufriedengeben. Bereits mit dem gegenwärtigen Rüstungshaushaltsvolumen von 1,3 Prozent wird die Aufrüstung der Bundeswehr (…) vorangetrieben. Der »Leopard«-Panzer wird von Rheinmetall mit einer Elektronik zum Empfang digitaler Signale ausgerüstet, die es perspektivisch möglich macht, dass der »Leopard« als autonomer Kampfroboter fährt. Qualitative Aufrüstung ist also schon in den 1,3 Prozent eingeplant. Zwei Prozent sind eine weitere Beschleunigung der Aufrüstung. Erhalt des Status quo von 1,3 Prozent ist eine Festschreibung der Aufrüstung und hat mit Abrüstung nichts zu tun. (…)

Ralf Cüppers, Flensburg

Stromanbieter wechseln

Zu jW vom 18.9.: »Aktivisten aus dem Wald gezerrt«

Drei Vorschläge, um RWE zu zeigen, dass Bürger nicht bloß tumbe Untertanen sind, die es sich gefallen lassen, mit dem »Krisenstab« eins aufs Dach zu bekommen, wenn sie renitent werden: 1. Eigentum verpflichtet und kann notfalls auch zum Wohle der Allgemeinheit enteignet werden. Warum soll das nur dann gelten, wenn ganze Dörfer plattgemacht werden, und nicht einmal auch gegenüber einem Stromkonzern wie RWE (…)? 2. Der Einsatz der geballten Staatsgewalt erinnert an Kriegszustände. (…) Alte Naturdenkmäler sollen vernichtet werden – einzig aus Profitinteresse. Ich sehe nicht ein, dass ich diesen staatlichen Terror gegen Menschen, die sich ihrer Verantwortung für diese Welt bewusst sind, auch noch mit meinen Steuergeldern bezahlen soll. RWE hat »die Musik bestellt« und sie dann auch gefälligst zu bezahlen (…)! 3. Jeder, der immer noch seinen Strom von RWE bezieht (…), sollte sich überlegen, seinen Stromanbieter zu wechseln. Und das nicht nur im stillen Kämmerlein, vielmehr so, dass es nicht nur RWE mitbekommt, sondern noch möglichst viele, die diesem Beispiel folgen könnten …

Peter Mönnikes, Paderborn

Brandstifter Bundeswehr

Zu jW vom 19.9.: »Moor brennt nach Raketentest weiter«

Wir wohnen etwa 150 Kilometer entfernt von Meppen auf der anderen Weserseite im Elbe-Weser-Dreieck. Gegen Abend lag am Dienstag bei uns starker Brandgeruch in der Luft. (…) Der Rauch kommt von dem Moorbrand, der durch ein Übungsschießen der Bundeswehr mit Raketen ausgelöst worden sein soll. Das Moor brennt seit ca. zwei Wochen, kann aber wohl nicht gelöscht werden. In diesem Sommer sind die Moore ausgetrocknet wie vielleicht noch nie. Die Bundeswehr aber geht das Risiko ein, das Moor in Brand zu setzen. Denn auch bei früheren »Übungen« geriet das Moor schon in Brand (…). In Mooren ist besonders viel Kohlendioxid gespeichert, das das deutsche Militär in diesem Fall fahrlässig freigesetzt hat. Es geht also auch um Klimaschutz. Es soll bereits soviel CO2 freigesetzt worden sein wie von 50.000 Menschen im Laufe eines Jahres. Geradezu aberwitzig ist, dass parallel die Räumung des Hambacher Forstes mit angeblicher Brandschutzgefahr begründet wird.

Hermann König, Hipstedt

Eigentum verpflichtet und kann zum Wohle der Allgemeinheit enteignet werden. Warum soll das nicht auch einmal gegenüber einem Stromkonzern wie RWE gelten?