Aus: Ausgabe vom 18.09.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Pistole auf der Brust

Medienberichten zufolge will Washington weitere Zölle auf chinesische Exporte erheben

RTS21MUK.jpg
Die US-Regierung will weniger chinesische Waren in ihren Häfen sehen

Vor der möglichen Ankündigung neuer US-Strafzölle hat China vor einer weiteren Zuspitzung des Handelskonflikts gewarnt. Geng Shuang, ein Sprecher des Außenministeriums, bekräftigte am Montag, dass die Volksrepublik mit »Gegenmaßnahmen« reagieren werde, sollten die USA weitere Strafzölle gegen China verhängen. Man werde sich »entschlossen verteidigen«, hieß es.

US-Präsident Donald Trump hatte laut US-Medienberichten zuvor seine Bereitschaft erkennen lassen, den Handelsstreit mit China auf eine neue Eskalationsstufe zu treiben. Die Washington Post meldete am Sonntag, Trump habe die Entscheidung getroffen, Importe im Wert von weiteren 200 Milliarden US-Dollar mit Sonderzöllen in Höhe von zehn Prozent zu belegen. Dieser Schritt solle in den nächsten Tagen offiziell bekanntgegeben werden. Damit würde die Hälfte aller Importe aus China mit Extrazöllen versehen. Betroffen wären den Berichten zufolge unter anderem Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik und Spielwaren.

Wie das Onlineportal des Wall Street Journal am Sonntag berichtete, denkt die chinesische Regierung darüber nach, das Gesprächsangebot der US-Regierung über drohende Strafzölle auszuschlagen. China werde nicht mit der Pistole auf der Brust verhandeln, hieß es.

Beide Länder haben gegenseitig Strafzölle auf Waren im Wert von jeweils rund 50 Milliarden US-Dollar geltend gemacht. Beijing hatte bereits angekündigt, im Falle neuer US-Zölle auf Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar zusätzliche Sonderabgaben auf Importe aus den USA im Wert von 60 Milliarden US-Dollar erheben zu wollen.

Die Möglichkeiten Chinas, mit eigenen Strafzöllen auf Importe aus den USA Vergeltung zu üben, sind jedoch begrenzt: Die USA führen lediglich Waren im Wert von 130 Milliarden US-Dollar nach China aus. Beijing kann Washington jedoch anderweitig unter Druck setzen. So könnten etwa US-Unternehmen wie Starbucks, Apple oder Nike, die seit Jahren enorm vom Konsum der chinesischen Bevölkerung profitieren, die Geschäfte in der Volksrepublik erschwert werden.

Auch die deutsche Wirtschaft sorgt sich um ihre Profite. »Beim betroffenen Handelsvolumen von mehreren hundert Milliarden Dollar kommt auch die deutsche Wirtschaft alles andere als ungeschoren davon«, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier am Montag. Hiesige Unternehmen hätten sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in China viel investiert. Sie beschäftigen in beiden Wirtschaftsräumen jeweils annähernd eine Million Menschen in ihren Betrieben. Am Ende würden einfach alle Produkte teurer. (dpa/Reuters/jW)


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Kapital & Arbeit
  • US-Regierung bietet europäischen Abnehmern billiges Flüssiggas und droht mit Sanktionen gegen Betreiber von Pipelineprojekt »Nord Stream 2«
    Jörg Kronauer