Aus: Ausgabe vom 18.09.2018, Seite 5 / Inland

Mitbestimmung unerwünscht

»Playmobil«-Spielwarenhersteller versucht, Betriebsräte der IG Metall vor Gericht aus Interessenvertretung zu klagen

Von Stefan Thiel
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Wer sich bei »Playmobil« für Beschäftigtenrechte engagiert, bekommt offenbar schnell mal Probleme

Die Marke ist bekannt. »Playmobil«-Spielzeug dürfte sich bundesweit so gut wie in jedem Kinderzimmer finden lassen. Der Name des Herstellers der legendären Figürchen und der entsprechenden Spielkulissen, Geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG, sagt hingegen wohl nur Branchenexperten etwas. In letzter Zeit unternimmt die Firma jedoch einiges, um auch selbst bekannter zu werden. Die Führung von Geobra Brandstätter hat offenbar ein Problem mit der Mitbestimmung und versucht deshalb derzeit, acht in der IG Metall organisierte Betriebsräte gerichtlich aus dem Gremium zu klagen (siehe jW vom 21. August).

Am Montag fand vor dem Arbeitsgericht Nürnberg ein erster Gütetermin in dem Streit statt, eine Einigung wurde nicht erzielt. »Das war auch nicht anders zu erwarten«, kommentierte Bianka Möller von der IG Metall Westmittelfranken anschließend gegenüber jW den ersten Verhandlungstag. Ansonsten hätte das Unternehmen seinen Antrag auf Amtsenthebung zurückziehen oder die Interessenvertreter zurücktreten müssen, so die Gewerkschafterin weiter. Letzteres komme für die Gewerkschaft und die betroffenen Betriebsräte nicht in Frage, diese seien schließlich gewählt. Die Interessenvertreter würden nun dem Gericht ihre Sichtweise auf den Konflikt nochmal schriftlich darlegen. Möller geht davon aus, dass es auch beim nächsten Gütetermin am 24. Januar 2019 zu keiner Einigung kommt und dann das eigentliche Verfahren eröffnet wird.

Geobra Brandstätter wirft den acht Beschäftigtenvertretern vor, die Basis für eine »vertrauensvolle Zusammenarbeit« zerstört zu haben. Was war geschehen? Während der Hitzewelle in diesem Sommer und der damit verbundenen hohen Temperaturen in den Produktionshallen hatten die Betriebsräte die Kollegen im Werk Dietenhofen mit einem Aushang über ihre diesbezüglichen Rechte, etwa auf regelmäßige »Entwärmungsphasen«, hingewiesen. »Die haben nichts gemacht, außer sich an das Betriebsverfassungsgesetz zu halten«, stellt Möller klar. Das ging der Geschäftsführung aber schon zu weit. Selbst ein harmloser Hinweis scheint beim »Playmobil«-Produzenten auszureichen, um die Kapitalseite auf die Palme zu treiben, so dass der Streit vor Gericht landet. »Die haben keinen Bock, sich in ihre Firmenpolitik reinreden zu lassen, die wollen Duckmäuser haben, da ist Alleinherrschaft angesagt«, erklärt sich die Gewerkschafterin den Konfrontationskurs der Gegenseite.

Das mitbestimmungsfeindliche Klima bei Geobra Brandstätter ist allerdings nicht neu. Bereits 2014 hatte das Unternehmen bei den damaligen Betriebsratswahlen versucht, eine Kandidatenliste der IG Metall zu verhindern. Die Gewerkschaft musste sich daraufhin erst durch alle Instanzen klagen und bekam 2016 Recht. Die diesjährigen Wahlen liefen dann nach Angaben der IG Metall »relativ reibungslos« ab und acht Mitglieder der Gewerkschaft konnten in das Gremium einziehen. Dort sind sie jedoch in der Minderheit. Die restlichen der insgesamt 21 Mitglieder sind entweder gar nicht oder in der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) organisiert. Diese unterstützen das Vorgehen der Geschäftsführung gegen die IG-Metaller. Auf die Nachfrage, ob es bei Geobra Brandstätter auch einen Konflikt zwischen den dort vertretenen Gewerkschaften gebe, wollte sich Möller nicht weiter äußern. Es komme eher darauf an, wie sich einzelne Betriebsräte verhielten, wenn es Druck von oben gebe, gab sie zu bedenken. Die IG Metall hatte zuvor in Mitteilungen bereits von »arbeitgeberhörigen« Interessenvertretern gesprochen.

Geobra Brandstätter zählt sich selbst zur Kunststoff verarbeitenden Industrie. Diese Branche fällt in den Organisationsbereich der IG BCE. Entsprechend hat die Firma mit dieser Gewerkschaft einen Haustarifvertrag abgeschlossen. Wie Möller gegenüber jW erläuterte, existiert aber auch eine entsprechende Kooperationsvereinbarung zwischen den beiden Industriegewerkschaften, durch die die IG Metall mit eingebunden ist. Das Verhältnis im Betriebsrat scheint hingegen nicht sonderlich kooperativ zu sein.


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