Aus: Ausgabe vom 14.09.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

USA laden China zu Handelsgesprächen

Washington bringt Bewegung in Konflikt zwischen den Wirtschaftssupermächten

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Hafenszene in Tianjin: Stahlexporte in die USA sind inzwischen durch Zusatzzölle erheblich erschwert

In den Handelskonflikt zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China kommt offenbar Bewegung. Nach Lage der Dinge hat die Administration von US-Präsident Donald Trump Warnsignale erhalten, dass eine weiter Eskalation des Streits auch erhebliche wirtschaftliche Folgen für die Vereinigten Staaten haben könnte. In ihrem aktuellen Konjunkturbericht (»Beige Book«) hatte die US-Notenbank (Federal Reserve; Fed) darauf aufmerksam gemacht, dass einige Unternehmen wegen der Auseinandersetzungen um Subventionen, Bilanzüberschüsse bzw. -defizite und verhängte Strafzölle Investitionen zurückgefahren oder verschoben hätten. Zwar seien die Firmen weiter zuversichtlich. In den meisten Bereichen gebe es aber Unsicherheit mit Blick auf die handelspolitischen Auseinandersetzungen, schreiben die Währungshüter.

Nun hat Trumps Wirtschaftsberater Lawrence Kudlow bestätigt, dass Washington eine chinesische Delegation zu weiteren Gesprächen zur Lösung des Streits eingeladen hat. US-Finanzminister Steven Mnuchin habe dies vorgeschlagen. Und auch in der Volksrepublik wünscht man sich bekanntermaßen den Dialog statt einer weiteren Eskalation. Es gebe Informationen, wonach die Spitze der chinesischen Regierung mit Washington reden wolle, sagte Kudlow am Mittwoch dem Sender Fox Business: »Ich glaube immer, dass Gespräche in den meisten Fällen besser sind, als nicht zu sprechen, also sehe ich das als ein Plus an.«

Aus China wurde umgehend Zustimmung signalisiert: »Die chinesische Seite hat in der Tat eine Einladung der USA erhalten und begrüßt dies. Beide Seiten beraten derzeit über die Details«, sagte der Sprecher des dortigen Außenministeriums, Geng Shuang, am Donnerstag.

Trump, der seit Beginn seiner Amtszeit auf eine Politik der Stärke setzt, hatte vergangene Woche noch mit einer Verschärfung des Handelsstreits gedroht. Er sei bereit, weitere Zölle auf chinesische Waren im Wert von 267 Milliarden US-Dollar zu beschließen. Diese kämen zu den zuvor angedrohten Zusatzabgaben auf Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar hinzu. China hatte bereits angekündigt, auf diese mit Gegenmaßnahmen zu reagieren.

Einfuhrzölle verteuern die Waren zu Lasten des Exporteurs. Damit verschaffen sie im Importland möglichen Konkurrenten aus anderen Exportstaaten bzw. dem Inland Vorteile auf dem nationalen Markt. Tatsächlich in Kraft sind in der Auseinandersetzung zwischen dem Großimporteur USA und dem »Exportchampion« China gegenwärtig US-Sonderzölle auf Waren im Wert von 50 Milliarden Dollar sowie »Schutzzölle« auf Stahl- und Aluminiumimporte. Würde Trump seine Drohungen wahr machen, wären alle Importe aus der Volksrepublik mit Sonderzöllen belegt. (dpa/jW)


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