Aus: Ausgabe vom 14.09.2018, Seite 8 / Ansichten

Helden des Tages: Türkische Zentralbanker

Von Klaus Fischer
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Türkische Landeswährung: Am Donnerstag wurde der Lira-Verfall gestoppt. Zumindest vorläufig

Die türkische Zentralbank hat am Donnerstag den Leitzins angehoben. Das war nicht überraschend. Bei einer Inflationsrate von 18 Prozent und einem Außenwertverlust der Landeswährung Lira von mehr als 40 Prozent gegenüber dem US-Dollar blieben nicht viele Optionen. Ungewöhnlich war der Sprung von 17,75 auf jetzt 24 Prozent. Das hat selbst Vertreter des westlichen Finanzkapitals überrascht. Die Lira legte zunächst wieder zu.

Die Frage lautet jetzt: Was macht Recep Tayyip Erdogan? Löst er die Zentralbank auf, lässt er deren Präsidenten verhaften? Schwer vorstellbar, doch nicht jenseits der politischen Realität. So hatte der Präsidialdiktator vorgestern die persönliche Kontrolle des milliardenschweren Staatsfonds übernommen. Am Donnerstag machte Erdogan vor der Entscheidung nochmals Druck auf die »Währungshüter«: »Ich sage, lasst uns diese hohen Zinsen senken«, sagte er vor Kleinunternehmern in Ankara. Das war tollkühn, denn die Krise ist akut. Die Wirtschaft wächst zwar, aber in Lira gerechnet. Auf Dollar-Basis dürfte das Land in einer beginnenden Rezessionsphase stecken.

Ebenfalls am Donnerstag wurde ein Erlass bekannt, wonach Geschäftsverträge im Inland nur noch in Lira und nicht mehr in Fremdwährungen abgeschlossen werden dürfen. Das wird die Möglichkeit, sich in Fremdwährung zu verschulden, kaum eindämmen, noch die Flucht in Dollar bzw. Euro bremsen. Devisenkredite kommen den Schuldnern jetzt teuer zu stehen. Die Kosten steigen, weil dies Dollar und Euro gegenüber der Lira auch tun. Weder Staat noch die meisten privaten Schuldner ausländischer Geldgeber können dies lange durchhalten. Am Ende stünde die Staatspleite, und große Teile der Bevölkerung müssten dies mit materieller Existenznot bezahlen. Aber immerhin: Die Zentralbank hat ihre »Unabhängigkeit« bewiesen. Vorerst jedenfalls.


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