Aus: Ausgabe vom 08.09.2018, Seite 8 / Ansichten

Mauerbauer des Tages: Martin Wagener

Von Kristian Stemmler
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Martin Wagener

Viele sehnen sich nach alten Zeiten zurück, in denen ein Putsch wenigstens noch ein Putsch war – mit zackigen Obristen, die Panzer vor Radiostationen vorfahren lassen und dergleichen. Was die Salonputschisten Seehofer, Maaßen und Co. und ihre Stichwortgeber momentan aufführen, ist ja mit »komplett gaga« noch zurückhaltend umschrieben. Ihren neuesten Streich präsentierte am Freitag das inoffizielle Organ der rechten Umstürzler, Bild. Und einer drohte angesichts der mit aller medialen Vehemenz wiedergegebenen Phantasien von Innenminister und Geheimdienstchef völlig unterzugehen: Auf der zweiten Seite breitete ein Professor einen Plan aus, den man auch nach dem dritten Lesen noch für Satire hält. Die ganze BRD will Prof. Dr. Martin Wagener mit einem hermetischen Grenzwall technologischer Natur vom Rest der Welt abkoppeln – Wärmebildkameras überall, Autokennzeichen- und Ausweisscanner, 90.000 Grenzschützer. Die Kosten berechnete er auf läppische 20 Milliarden Euro. Okay, die jährlichen Betriebskosten von etwa 9,3 Milliarden kommen noch drauf.

»Er ist nicht irgend jemand«, jubelte Bild den Mann hoch, er doziere an der »Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung« in Haar. Na, dann. Und natürlich legt der Herr Professor wie seine Brüder im Geiste, Thilo Sarrazin und Björn Höcke, just in time ein Buch vor. Es heißt ganz im Ernst »Deutschlands unsichere Grenze – Plädoyer für einen neuen Schutzwall«. Fast drei Jahrzehnte nach dem »Fall« der Mauer fordert ein vom Bund besoldeter deutscher Professor den Bau eines neuen Schutzwalls. Diesmal soll es ganz offensichtlich kein antifaschistischer werden, eher das Gegenteil. Bei aller professoralen Verrücktheit – Martin Wagener wird seine Leser finden.


Debatte

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  • Beitrag von Matthias M. aus H. ( 7. September 2018 um 22:51 Uhr)

    Dass der Herr Professor Wagener voll auf technische Aufrüstung setzt, ist klar, wenn man sich anschaut, aus welchem »Stall« er kommt. Diese »Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung« ist mit allen Studiengängen in Brühl und Berlin bis auf den Studiengang Verfaltungsfachwirt (FH) – Nachrichtendienste – Abt. Bundesnachrichtendienst in Haar bei München. Das ist der Außenstandort, wo de facto die Schlapphüte vom BND ihren eigenen akademischen Nachwuchs ausbilden. Die immer leicht geheimnisumwitterte Liegenschaft wurde 1939 als Polizeikaserne gebaut und ab 1961 vom Bundesgrenzschutz genutzt.

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