Aus: Ausgabe vom 07.09.2018, Seite 1 / Inland

Polizei provoziert weiter

Rodung des Hambacher Forsts zunächst aufgeschoben. Waldbesetzer trauen Frieden nicht

Von Wolfgang Pomrehn
Raeumung_im_Hambache_58618632.jpg
Zwei Räumungspanzer der Polizei im Hambacher Forst am Donnerstag

Nervenkrieg im Hambacher Forst. In dem umkämpften Waldstück im Rheinischen Braunkohlerevier gab es am Donnerstag vormittag erneut einen rabiaten Polizeieinsatz. In dessen Zusammenhang wurde auch ein erster Baum gefällt. Kurzzeitig dachten Waldbesetzer und Unterstützer schon, der Tagebaubetreiber RWE würde widerrechtlich mit der Rodung beginnen. Diese ist, wenn überhaupt, erst ab Anfang Oktober zulässig. Außerdem wurde gegen Mittag bekannt, dass der Energiekonzern gegenüber dem Oberverwaltungsgericht in Münster eine sogenannte Stillhaltezusage abgegeben hat. Demnach sollen bis zur Entscheidung des Gerichts über eine Klage gegen die Rodung, längstens aber bis zum 14. Oktober, die Motorsägen stillstehen. Mehr oder weniger zeitgleich mit der Bekanntmachung aus Münster zogen sich die Polizeibeamten und RWE-Mitarbeiter aus dem Wald zurück.

Die Polizei begründet ihr Vorgehen damit, dass RWE ihrer Sicherungspflicht im Wald nachkommen und »gefährliche Gegenstände« abräumen müsse. Faktisch handelte es sich dabei um die am Boden befindliche Infrastruktur der in Baumhäusern wohnenden Besetzer. Zum Beispiel wurden Küchen zerstört. Auch wurde versucht, ein auf Stelzen stehendes Haus zu beschädigen. An Bäumen, auf denen sich Häuser befinden, wurden die unteren Äste abgesägt. Die Besetzer sehen darin die Vorbereitung einer späteren Räumung.

Die Organisatoren der Proteste – von der »Aktion Unterholz« und vom »Netzwerk Ende Gelände« sowie Anwohnerinitiativen – trauen dem Frieden nach Abzug der Polizei noch nicht ganz. Ab dem heutigen Freitag soll es Aktionstage geben, bei denen Unterstützer unter anderem die Infrastruktur der Besetzer wiederherstellen wollen. Sollten die Polizeimaßnahmen weitergehen, werde der »Tag X« ausgerufen, um sich den Beamten mit Aktionen des zivilen Ungehorsams zu widersetzen. Damit sei gemeint, so eine Sprecherin der Aktion Unterholz gegenüber jW, den Wald mit den Körpern der Aktivisten zu schützen.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Mehr aus: Inland