Aus: Ausgabe vom 05.09.2018, Seite 15 / Antifa

Beratung im Riesengebirge

Antifaschistische Tradition: In Mala Upa trafen sich in der letzten Augustwoche Kommunisten und Linke aus mehreren Ländern

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Fast 100jährige Tradition: Das Treffen Linker aus mehreren Ländern am Fuße der Schneekoppe Ende August

Eine 96 Jahre alte antifaschistische Tradition wurde in der letzten Augustwoche erneut im tschechischen Mala Upa am Fuß der Schneekoppe gepflegt. Im August 1922 hatten sich dort erstmals Menschen aus Polen, der Tschechoslowakei und Deutschland getroffen, um gemeinsam über den Kampf gegen kapitalistische Ausbeutung und die aufziehende faschistische Gefahr zu beraten. Aus diesen ersten Treffen im Riesengebirge entwickelte sich eine Tradition, die nur während der Besetzung der Tschechoslowakischen Republik (CSR) durch die Nazis unterbrochen wurde. 1927 sprach der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann auf diesem Treffen. Als Freundschaftsgeschenk der deutschen Kommunisten übergab er eine Fahne, die die Gestapo während der Besatzungszeit natürlich intensiv suchte. Diese Fahne wehte stolz am 25. August 2018 über dem Veranstaltungsplatz in Mala Upa. Ungefähr 150 Menschen nahmen in diesem Jahr an dem Treffen teil, wie immer aus Tschechien, Polen, Deutschland, aber auch aus anderen europäischen Ländern. Es sprachen Vertreter der Kommunistischen Partei Böhmens und Mährens (KSCM), der Kommunistischen Partei Polens, des Kuratoriums ostdeutscher Verbände und der Partei Die Linke. Auch Ernst Thälmanns Enkeltochter Vera nahm an dem Treffen teil.

Tenor aller Reden war das Mahnen und Warnen vor der zunehmenden Kriegsgefahr, der aggressiven Politik der NATO gegenüber Russland und der Herausforderung durch rechtsnationalistische Kräfte, die angestauten Frust auf Flüchtlinge und Migranten zu lenken versuchen.

Grüße des Parteivorstandes, des Berliner Landesvorstands und des Bezirksvorstands Berlin-Lichtenberg der Partei Die Linke, der seit Jahren enge Kontakte zur KSCM Trutnov unterhält, überbrachte Gerhard Langguth, dessen Vater von 1934 bis 1938 als kommunistischer Emigrant in der CSR gelebt hatte. Er war von den tschechischen Genossen in seiner Widerstandsarbeit gegen den Faschismus aktiv unterstützt worden. Das nächste Treffen dieser Art ist bereits fest für das letzte Augustwochenende 2019 wieder in Mala Upa geplant. (jW)


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Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Gisela Lingenberg: Kleine Ergänzung Hier zur Ergänzung aus dem Aufruf zu der besprochenen Zusammenkunft: »Mala Upa ist eine Streusiedlung am Fuße der Schneekoppe – landschaftlich reizvoll gelegen. Dort findet jährlich am letzten Sonnabe...
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