Aus: Ausgabe vom 05.09.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Bye-bye, Deutsche Bank

Größtes Geldhaus der BRD fliegt aus Index Europas wertvollster Konzerne

Deutsche_Bank_57848115.jpg
Einst das Licht des deutschen Kapitals, liegen heute dunkle Schatten auf der Deutschen Bank

Bei der Deutschen Bank geht es weiter bergab. Die Geldhaus mit Sitz in Frankfurt am Main zählt nicht mehr zu den 50 wertvollsten Börsenunternehmen in der Euro-Zone. Die Banker fliegen wegen des drastisch gesunkenen Aktienkurses aus dem Eurostoxx 50. Das zeigt eine Rangliste, die die Deutsche Börse am Dienstag veröffentlichte.

Der Aktienkurs der Deutschen Bank hat seit Jahresbeginn mehr als 37 Prozent im Eurostoxx 50 eingebüßt. Das Institut hat 2017 den dritten Jahresverlust in Folge eingefahren. Nun genügt der Börsenwert von rund 20 Milliarden Euro nicht mehr. Die Deutsche Bank erklärte, der Abstieg ändere nichts an der Konzernstrategie, die auf mehr Profitabilität ziele. Diese werde den Börsenwert wieder steigern. Neben der Deutschen Bank dürfte auch die Commerzbank die Folgen ihrer Dauerkrise zu spüren bekommen. Es wird erwartet, dass der Finanzkonzern bei der Überprüfung des deutschen Leitindex Dax am Mittwoch dem Zahlungsabwickler Wirecard weichen muss.

Wie die Unternehmensberatungsfirma Ernst and Young (EY) am Dienstag bekanntgab, fallen die größten Banken in Europa im Vergleich zur US-Konkurrenz immer weiter zurück. Zwar konnten Geldhäuser in Paris, London und Co. im ersten Halbjahr ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern. Jenseits des Atlantiks stiegen die Überschüsse aber erneut deutlich kräftiger. Demnach verdienten die zehn nach Bilanzsumme größten Geldinstitute in Europa in den ersten sechs Monaten 2018 unter dem Strich zusammen 26,3 Milliarden Euro und damit neun Prozent mehr als vor Jahresfrist. Die zehn größten US-Banken kamen auf umgerechnet rund 69,1 Milliarden Euro – ein Plus von rund 19 Prozent. Die Studienautoren fassten zusammen: »Seit 2012 sind die Gewinne der amerikanischen Banken zum Ende eines ersten Kalenderhalbjahres jeweils mindestens doppelt so hoch wie die ihrer europäischen Konkurrenten.« Und der Abstand scheine sich zu vergrößern. Im laufenden Jahr profitierten die US-Institute vom Boom der heimischen Wirtschaft und der Steuerreform der Trump-Regierung. In Europa sind zehn Jahre nach der jüngsten Finanzkrise die Altlasten noch immer nicht abgearbeitet. Insgesamt sei die Gewinnsituation der europäischen Banken nach wie vor weit entfernt vom Vorkrisenniveau und immer noch nicht zufriedenstellend, sagte Studienautor Dirk Müller-Tronnier. Während die Marktkapitalisierung der zehn größten US-Banken bis zum Stichtag 3. August 2018 auf gut 1,3 Billionen Euro stieg, sank der Börsenwert der zehn größten europäischen Institute seit Jahresbeginn sogar noch auf zusammen 561 Milliarden Euro.

Immerhin hat die US-Bankenaufsicht der Deutschen Bank mehr Zeit eingeräumt, einen Notfallplan zu entwickeln. Wie die US-Notenbank Federal Reserve am Donnerstag mitteilte, müsse das Finanzinstitut seine Vorschläge für eine Abwicklung im Fall einer Insolvenz erst am 1. Juli 2020 vorlegen. Die Fed begründete die Verlängerung unter anderem damit, dass sie den Banken so noch mehr Rückmeldungen geben könne. Eigentlich müssen Großbanken solche Notfallpläne jährlich vorlegen, sie haben aber den hohen Aufwand kritisiert und wiederholt eine Verlängerung bekommen. Die Deutsche Bank war Ende Juni beim zweiten Teil des US-Stresstests der großen Geldhäuser als einziges Institut durchgefallen. (AFP/Reuters/jW)


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Mehr aus: Kapital & Arbeit
  • Niederländische Regierung will Steuer auf Aktiengewinne abschaffen. Großkonzerne erfreut, Investoren besorgt, Sozialisten halten dagegen
    Gerrit Hoekman