Aus: Ausgabe vom 04.09.2018, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Schmutzige Geschäftspraktiken

IG BAU: Flugzeugreinigungsfirma am Airport Düsseldorf unterläuft Branchenstandards

Von Stefan Thiel
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Die Flugzeugreinigung ist ein harter Job. Bei Löhnen und Arbeitsbedingungen findet allerdings ein Dumpingwettbewerb auf dem Rücken der Beschäftigten statt (Airport Düsseldorf, Januar 2011)

In der Reinigungsbranche herrscht Dumpingkonkurrenz. Der Wettbewerb um Aufträge wird über den Preis ausgetragen, und in der Regel gewinnt der billigste Anbieter. Viele Unternehmen schrecken dabei auch nicht davor zurück, Beschäftigten den Branchenmindestlohn vorzuenthalten. So auch im Bereich der Flugzeuginnenreinigung am Airport Düsseldorf.

Dort ist unter anderem die Crombeen GmbH für die Sauberkeit in den Kabinen zuständig. Auftraggeber sind die Airlines. Mitarbeiter von Crombeen reinigen etwa Maschinen von Eurowings, Sunexpress oder der Lufthansa – und das zu miesen Konditionen. Nach Angaben der Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) erhalten die rund 100 am Düsseldorfer Flughafen beschäftigten Reinigungskräfte nur einen Stundenlohn von zehn Euro, statt der als Branchenmindestlohn festgelegten 10,30 Euro. Zudem müssten die Mitarbeiter unbezahlte Überstunden leisten.

Wie der zuständige Gewerkschaftssekretär der IG BAU Rheinland, Mahir Sahin, am Freitag gegenüber jW erläuterte, unterläuft das Unternehmen mit Stammsitz im niederländischen Born auch die Branchenstandards beim Urlaubsanspruch und bei Zuschlägen. Während den Beschäftigten nach dem allgemeinverbindlichen Rahmentarifvertrag für das Gebäudereinigerhandwerk eigentlich 28 Urlaubstage zustünden, gewähre Crombeen lediglich das gesetzliche Minimum von 24 Tagen. Für Sonntagsarbeit gibt es lediglich einen Zuschlag in Höhe von 50 Prozent. Nach dem Rahmentarifvertrag wären es 75 Prozent. All dies geht aus den Arbeitsverträgen hervor, die der Gewerkschaft vorliegen.

Laut IG BAU müssen sich die Mitarbeiter außerdem dazu verpflichten, alle Kosten für Dienstausweise, Schulungen und Arbeitskleidung selbst zu übernehmen. Eine Umkleide existiere nicht, den Einsatzplan für den nächsten Tag erhielten die Beschäftigten erst am Vorabend per Whatsapp-Nachricht, und es gebe nur ein Männer-WC. Die Damentoilette sei »weit weg«, und über den entsprechenden Schlüssel verfüge ausschließlich der Vorgesetzte. Sei dieser nicht da, »haben die Frauen ein Problem«, so Sahin. »Das sind unhaltbare Zustände. Die Flugzeugreinigung ist ein anstrengender und stressiger Job. In wenigen Minuten müssen die Flieger abgefertigt werden. Es kann nicht sein, dass Crombeen dann nicht einmal die Branchenstandards einhält«, kritisiert der Gewerkschafter.

Die IG BAU werde »die Kollegen über ihre Rechte informieren und weiterhin organisieren«, kündigte Sahin an. Es gehe darum, die Zustände bei der niederländischen Firma weiter öffentlich zu machen, »bis die Arbeitsbedingungen besser werden«. Die Gewerkschaft werde den »Druck auf das Unternehmen erhöhen«. Dieses bestritt auf jW-Anfrage die Vorwürfe. Es sei »schwierig«, auf die Behauptungen der IG BAU zu antworten. »Generell« zahle man den Mitarbeitern »mehr, als wir gesetzlich oder tariflich verpflichtet wären«. Und weiter: »Auch den Hinweis bezüglich der Damentoilette nehmen wir gerne auf und werden mit unseren Kollegen zusammen sehen, wie wir diese Situation verbessern können.« Jedoch sei das Unternehmen an die Gegebenheiten des Flughafens gebunden.

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