Aus: Ausgabe vom 31.08.2018, Seite 11 / Feuilleton

Wer die Suppe auslöffelt

Mord in Zeiten des »Brexit«: Denise Minas Krimi »Blut, Salz, Wasser«

Von Gerd Bedszent
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Ein Zentrum der schottischen Tourismusindustrie und Ort großer Geschäfte: Helensburgh

Wir schreiben das Jahr 2014. Schottland bereitet sich auf das Unabhängigkeitsreferendum vor. Wegen der Unsicherheit über dessen Ausgang fallen die Marktpreise für schottische Immobilien und Ländereien. Spekulanten wittern eine Chance auf Riesengewinne. In diesem delikaten politischen Setting spielt Denise Minas Kriminalroman »Blut, Salz, Wasser«, der fünfte einer Serie um die Ermittlerin Alex Morrow von der Scotland Police – erst drei liegen auf Deutsch vor.

Zunächst geht es um einen eher banalen Fall: In Helensburgh, einem Zentrum der schottischen Tourismusindustrie, ist eine Frau vermisst gemeldet worden. Sie stammt aus einer vermögenden Familie, ist aber einkommens- und mittellos und dennoch in große Geschäfte verwickelt. Die Finanzbehörden vermuten Geldwäsche, konnten ihr und ihrem Mann aber bisher nichts nachweisen. War bei einem Deal etwas schiefgegangen und hat man sie als unliebsame Zeugin beseitigt? Oder hat sie sich schlicht unter Mitnahme von Millionenbeträgen abgesetzt? Die Riesenbeträge auf ihrem Konto sind jedenfalls genauso mysteriös wieder verschwunden, wie sie zuvor aufgetaucht waren.

Bald findet sich eine Leiche, aber es ist nicht die Gesuchte. Doch wer ist die Tote dann? Es folgt ein Brand mit weiteren Leichen. Verbindungen zur Drogenmafia werden aufgedeckt. Und schließlich tauchen ominöse Geschäftsunterlagen auf, die ein ganz neues Licht auf den Fall werfen …

Die Autorin kombiniert in ihrem Werk ungewöhnlich gelungene Landschaftsbeschreibungen mit einer treffenden Schilderung provinzieller Banalität und Enge, in die durch kriminelle Netzwerke plötzlich das ganz große Geld kommt. Außerdem liefert sie eine gekonnte Beschreibung armer Würstchen, welche die Suppe auslöffeln müssen, die andere ihnen eingebrockt haben.

Mit den politischen Hintergründen und der äußerst verwickelten, aber doch in sich logischen Handlung bietet der Roman genau die Mischung, die einen interessanten Krimi auszeichnet. Und als Bonus vermittelt er en passant interessante Informationen über verzwickte und deshalb wenig bekannte Formen wirtschaftskriminellen Handelns.

Denise Mina: Blut, Salz, Wasser. Aus dem Englischen von Zoë Beck, Argument-Verlag, Hamburg 2018, 368 Seiten, 19 Euro


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