Aus: Ausgabe vom 03.09.2018, Seite 1 / Ausland

Terror in Donezk

Republikchef Alexander Sachartschenko bei Anschlag getötet

Von Reinhard Lauterbach
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Ermittlungen am Tatort: Donezk am Samstag

Der Chef der international nicht anerkannten Donezker Volksrepublik (DVR), Alexander Sachartschenko, ist am Freitag ermordet worden. Als er am späten Nachmittag im Stadtzentrum gemeinsam mit einigen Mitarbeitern die Kneipe »Separ« – eine Anspielung auf die abwertende Bezeichung der Kämpfer der Volksrepubliken als »Separatisten« – betrat, explodierte eine offenbar in einer Lampe versteckte und mit einem Mobiltelefon gezündete Sprengladung. Sie tötete neben Sachartschenko zwei seiner Leibwächter, den Finanzminister der DVR, Alexander Timofejew, und ein weiteres Mitglied der Gruppe. Weitere sieben Menschen wurden verletzt, einige schwer. Kurz nach der Tat wurden mehrere Personen als mutmaßliche Urheber und Anstifter festgenommen.

Sachartschenko wurde 42 Jahre alt. Der Absolvent einer Berufsschule für Elektrotechnik und vor dem Aufstand im Donbass zuletzt Handelsvertreter für Geflügel hatte sich 2010 der prorussischen Kampfsportorganisation »Oplot« (Festung) angeschlossen, deren Donezker Abteilung er leitete. An ihrer Spitze besetzte er im April 2014 das Donezker Rathaus und beteiligte sich anschließend an verschiedenen Kämpfen, bei denen er zweimal verwundet wurde. Im November 2014 wurde er bei der ersten Wahl in der DVR zum »Oberhaupt« gewählt, ein Titel ohne genau definierte Befugnisse. Sachartschenko kultivierte von sich das Bild des einfachen Frontkämpfers und trat meist in Uniform auf. Doch berichten russische und ukrainische Medien, er habe seine Funktion auch genutzt, um große Teile der Volkswirtschaft der Region unter seine Kontrolle zu bringen.

Offiziell bekannt hat sich zu dem Anschlag auf Sachartschenko niemand. Die in Donezk schnell verdächtigte Ukraine wies jede Verbindung zu dem Mord zurück. In Russland sprach Präsident Wladimir Putin von einem »gemeinen Mord«, der die Bemühungen um eine friedliche Lösung des Konflikts sabotieren solle. Am Sonntag nahmen Tausende Bürger der DVR Abschied von dem im Opernhaus der Stadt aufgebahrten Sachartschenko. Die Beerdigung soll am heutigen Montag stattfinden.


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