Aus: Ausgabe vom 31.08.2018, Seite 11 / Feuilleton

Firmament und Fundament

Von Wiglaf Droste

Firmament und Fundament hört man diskutieren,

räson-argumentieren,

wer von beiden bedeutsamer sei

für des Menschen Wohl und Gedeih.

*

Das Fundament sprach, die Stimme heftig,

tief und rauh, gewaltig und kräftig:

»O wie dumm schon diese Frage!

Also hört gut zu, was ich sage:

Ich, das Fundament, bin hier wichtig!

Ohne mich steht alles schief statt grad richtig

Ohne mich sackt alles erdrutschig ab

Ohne mich lägt ihr in der Grube, im Grab.«

*

Das Firmament stimmte dem lächelnd zu:

»Der Mensch braucht Festigkeit, und die gibst du.

Du lässt ihn nicht straucheln, nicht wanken

Ohne dich ginge er fix über die Planken

Auf dir ruht das Haus der Erde, der Welt.

Ich bin nur ein flüchtiges Himmelszelt

Du bist die Statik, die Stabilität

ich bin da für die Labilität,

*

für das geheimnisvoll Ungewisse

für die Fragen, die Sehnsüchte, für die Risse

Du bist fürs Dasein da, ich für das Träumen

für Phantasien, die überschäumen

Du gibst Sicherheit zum drauf stehen und gehen

mich kann nur, wer dich nicht sieht, sehen.

Auf dir beruht alles, das belegen die Zahlen

Doch vergiss nie, wie hell ferne Sterne strahlen.«

*

Aus der Disput. Fruchtloser Streit blieb vermieden

Funda- und Firmament vereint statt geschieden.

Der Mensch braucht unter den Füßen

Festes, sonst kann er den Himmel nicht küssen

Glücklich wird sein, der sie beide kennt:

Das Fundament wie das Firmament.

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