Aus: Ausgabe vom 30.08.2018, Seite 15 / Medien

Krieg spielen ist nicht Krieg führen

Bundeswehr warb bei Computerspielmesse Gamescom mit Riesenpostern um Nachwuchs

Von Dieter Schubert
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Nachwuchswerbung: Plakat der Bundeswehr zur Computerspielemesse Gamescom am 23. August in Köln

Was macht die Bundeswehr in Mali? Abgesehen von der Sicherung für den Brennstoffnachschub französischer Atomreaktoren fallen da kaum Begründungen ein. Das taugt wenig, um den potentiellen Nachwuchs in die Kasernen zu locken. Vielleicht geht es spielerisch besser, mag man sich im Bendlerblock gedacht haben. Warum also nicht bei der größten Messe der Computerspielbranche Sympathiewerbung für die Militärs machen?

Gesagt, getan: Im Rahmen der Gamescom vergangene Woche in Köln (siehe jW vom 24. August) ließ die Bundeswehr Plakate aufhängen. Inspiriert von der Ästhetik moderner PC- und Konsolenspiele, waren Soldatenbilder zu sehen, garniert mit flotten Sprüchen: »Mehr Open World geht nicht«, stand da, angelehnt an ein derzeit beliebtes Genre der Branche, das dem Spieler viel virtuellen Raum zum Agieren (»Open World«) lässt. Ein anderes Poster ergänzte: »Multiplayer at it’s best« (Hier: gemeinschaftliches Spiel vom Feinsten).

Zielrichtung war die derzeit besonders beliebte Variante, bei der sich Gamer online zusammenschließen und gemeinsam agieren – gegen Computergegner und andere Spieler. Sogenannte Ego-Shooter, gerne als »Massively Multiplayer Online Role-Playing Games« (MMORPG; also online mit sehr vielen Mitspielern) dargeboten, bieten Nervenkitzel der besonderen Art. So werden im angesagten »Player Unknowns’s Battleground« ein paar Dutzend Spieler über einer von zahlreichen virtuellen Inseln per Fallschirm abgesetzt. Dort können sie Ausrüstung und Waffen finden und müssen sich ins Zentrum der Insel vorkämpfen. Dabei versucht jeder, die anderen Mitspieler abzuknallen. Wer als letzter übrig ist, hat die Runde gewonnen. Ähnliche Angebote zählten auch dieses Jahr zu den Rennern auf der Messe.

Aber Krieg ist kein Spiel, soviel Konsens scheint in der BRD-Gesellschaft zu bestehen. Deshalb hagelte es Kritik, und die Bundeswehr flüchtete zur Begründung in Rabulistik. Dem Onlineportal Meedia sagte ein Vertreter: »Die Kernfrage, die wir dabei stellen, ist: ›Krieg spielen oder für den Frieden kämpfen?‹« Man wollte »junge Erwachsene im Umfeld der Gamescom zum Nachdenken bringen, wofür sie ihre Zeit bzw. Zukunft einsetzen.«


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