Aus: Ausgabe vom 29.08.2018, Seite 1 / Kapital & Arbeit

Washington schmiedet Wirtschaftspakt

Mexiko und USA einigen sich auf Handelsabkommen. Beitritt Kanadas unklar

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Standortverlagerungen in den Süden sollen mit dem neuen Abkommen zwischen den USA und Mexiko künftig erschwert werden (Werk des US-Autobauers GM im mexikanischen Silao)

Mexiko und die USA haben sich auf Grundzüge eines neuen Wirtschaftsabkommens verständigt. Das 1994 zwischen den beiden Staaten sowie Kanada geschlossene »Nordamerikanische Handelsabkommen« (NAFTA), das seit Monaten neu verhandelt wurde, steht damit vor dem Aus. »Wir werden den Namen ›NAFTA‹ abschaffen«, sagte US-Präsident Donald Trump am Montag abend in Washington.

In der mit Mexiko erzielten Vereinbarung ist festgelegt, dass der vorgeschriebene Anteil von US-Komponenten in der Autoindustrie von 62,5 auf 70 Prozent steigt. Zudem sollen 40 bis 45 Prozent der Teile von Arbeitern hergestellt werden, die mindestens 16 Dollar pro Stunde verdienen. Das zielt darauf ab, Standortverlagerungen aus den USA nach Mexiko zu verhindern. Das Abkommen soll 16 Jahre laufen und jeweils nach sechs Jahren überprüft werden.

Die Einigung mit den USA sei ein erster Schritt, sagte Mexikos designierter Präsident Andrés Manuel López Obrador. Es sei wichtig, dass auch Kanada Teil des Abkommens sei. Trump hingegen sagte, sollte der Nachbar im Norden nicht ebenfalls einer Überarbeitung des bisherigen NAFTA-Abkommens zustimmen, würden Zölle auf Fahrzeuge und Zulieferer erhoben. Es sei möglich, dass mit Kanada ein »separater Vertrag« oder aber ein gemeinsames Abkommen aller drei Länder geschlossen würde. Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland wurde am Dienstag zu Handelsgesprächen in Washington erwartet. Ein US-Regierungsvertreter sagte, es gebe die Chance, dass bis Freitag eine Einigung stehe.

BRD-Kapitallobbyisten warnten vor einem Ende des Abkommens zwischen den USA, Mexiko und Kanada. »Bricht der Dreierpakt auseinander, würde dies auch die deutschen Unternehmen in Nordamerika treffen. Denn diese haben dort in Milliardenhöhe investiert und über Jahre umfassende Lieferketten aufgebaut«, sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, am Dienstag. (Reuters/dpa/AFP/jW)


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