Aus: Ausgabe vom 28.08.2018, Seite 16 / Sport

Ein Hoch auf den fehlbaren Schiri!

Von Gabriele Damtew
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Lasst die Schiris entscheiden! Es geht um ein Spiel, nicht um eine Gerichtsverhandlung.

Über den aufkommenden Unmut ob des zu oft oder zuwenig bemühten Videobeweises in der gerade gestarteten Bundesliga kann man in der dritten Liga nur müde lächeln. Den VAR (Video Assistant Referee) gibt es nicht. Alleiniger Entscheidungsfinder auf dem Platz ist und bleibt der gute alte fehlbare Schiri. Auch die Torlinientechnik ist zu teuer für die Niederungen des Fußballs. Hier regiert kein objektives »Hawk Eye«, sondern die Tatsachenentscheidung, die, streng genommen, eine Behauptung ist, die keines Beweises bedarf. Schließlich geht es um ein Spiel, nicht um eine Gerichtsverhandlung. Allein die Adleraugen von Unparteiischen und deren Assistenten entscheiden in Bruchteilen von Sekunden darüber, ob der Ball die Torlinie in vollem Umfang überquert hat. Hoch lebe der sich irrende Mensch, pardon, Schiedsrichter!

Es gab genügend Gründe, ihn zu feiern. Obgleich 6.000 Cottbusser, etwa 100 Meppener sowie beide Teams und Trainer im Stadion der Freundschaft damit gleichermaßen überfordert schienen. So wurde dem Cottbusser Stürmerstar Streli Mamba kurz vorm zwingenden Abschluss ein Abseits angelastet (gleiche Höhe). Das wenig später erfolgte Foul von Meppens Torhüter Jeroen Gies an Mamba in der Box war allerdings auch vom Schiri glasklar zu sehen. Fabio Viteritti verwandelte hauchzart zum 1:0. Nach der Halbzeit herrschte gerechtfertigte Aufregung unter den Meppenern von der Nordwestgrenze. Nico Granatowski drosch auf Teufel komm raus aus circa 30 Metern aufs Tor. Der Ball sprang, für den Fernsehzuschauer gut sichtbar, ins Tor und wieder raus. Der Linienrichter war allerdings genauso weit von der Torlinie entfernt wie der Schütze und der Schiri. Kein Tor. Und wie reagierte der Fußballgott? In Minute 90 plus zwei schaffte es eben Granatowski nach viel Stocherei und Hickhack im Cottbusser Strafraum, letztlich den Ball mit dem Kopf über die Linie zu drücken. Traumtor offiziell weg, Abstauber offiziell drin. Damit kann man leben (1:1). Außer man ist Trainer von Cottbus und heißt »Pele« Wollitz.

Ansonsten herrschte, typisch für die Dritte, Ergebnischaos. Die Hansa aus Rostock, die den Bundesligisten VfB Stuttgart im DFB-Pokal nassgemacht hatte, bekam gegen Würzburg im Ostseestadion im strömenden Regen eine 0:4-Klatsche. Flasche leer.

1860 München rehabilitierte sich nach der Pokalniederlage gegen Holstein Kiel auswärts bei Aalen mit 4:1. Absteiger Braunschweig verlor zu Hause verdient gegen Fortuna Köln und muss die Einstellung ändern. Ebenso wie K-Town Lautern. Keine Niederlage gegen den südwestlichen Nachbarn KSC, aber auch kein Tor.

Gegen das im Trainerwechselchaos versinkende Lotte holte der Hallesche FC als Gast ein 1:0. Das Tor war die exakte Kopie eines Treffers von vor zwei Wochen: Ecke Bentley Baxter Bahn auf den Kopf des langen Jokers Sebastian Mai.

Im »wichtigsten Spiel der Saison« für Osnabrück (Derby im eigenen Stadion gegen Münster) gewann der Gastgeber 3:0 und nahm dem Erzrivalen die Tabellenführung ab. Jetzt muss die Motivation über die Saison hinweg anders hochgehalten werden.


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