Aus: Ausgabe vom 24.08.2018, Seite 8 / Ansichten

Immobilienhai des Tages: Peter Altmaier

Von Simon Zeise
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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) lässt sich nicht lumpen. Am Donnerstag ließ er »Experten« aus seinem Haus Pläne zur Verarmung der Bevölkerung vorstellen. Damit die Reichen was zu lachen haben, sollen auf dem Wohnungsmarkt Investitionshemmnisse fallen: »Zum Glück gibt es kaum Beweise, dass die Mietpreisbremse wirklich wirkt, denn wenn sie wirken würde, dann wäre ihre Wirkung verheerend«, ließ Altmaier verkünden. Diese verschärfe die Knappheit von Wohnraum noch. »Deswegen schlagen wir vor, die Mietpreisbremse ersatzlos zu streichen.«

Auch der soziale Wohnungsbau erfülle allenfalls unzureichend den Zweck, für mehr bezahlbaren Wohnraum für bedürftige Menschen zu sorgen. Ein Grund sei die hohe Fehlbelegung von Wohnungen mit Menschen, die inzwischen ein höheres Einkommen haben. Statt dessen könne man doch die Grunderwerbsteuer auf bundesweit einheitliche 3,5 Prozent senken – Landbesitz ist dann das neue Mieten.

»Es gibt keine allgemeine Wohnungsnot in ganz Deutschland«, fassen die Gutachter ihre Einschätzung zusammen. Es handle sich nur um ein Problem einzelner Ballungsregionen. In den 14 größten deutschen Städten sind die Mieten in den vergangenen zehn Jahren explodiert, wie das Onlineportal Immowelt.de am Donnerstag bekanntgab. Demnach haben sich die Quadratmeterpreise in Berlin seit 2008 im Schnitt verdoppelt, in München sind sie um 61 Prozent angezogen. In der Hauptstadt konnte man vor zehn Jahren noch für durchschnittlich 5,60 Euro eine gute Stube beziehen. Heute sind es 11,60 Euro. Aber was können Millionäre, Bosse und Spekulanten dafür? Dass gerade in den Problemzonen Deutschlands zuwenig bezahlbare Wohnungen gebaut wurden, das habe der Staat sich selbst zuzuschreiben, wussten Altmaiers Weise.


Debatte

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  • Beitrag von Ralf H. aus E. (24. August 2018 um 12:11 Uhr)

    »Auch der soziale Wohnungsbau erfülle allenfalls unzureichend den Zweck, für mehr bezahlbaren Wohnraum für bedürftige Menschen zu sorgen. Ein Grund sei die hohe Fehlbelegung von Wohnungen mit Menschen, die inzwischen ein höheres Einkommen haben.« – Was nicht stattfindet, kann auch keinen Zweck erfüllen.

    »Statt dessen könne man doch die Grunderwerbssteuer auf bundesweit einheitliche 3,5 Prozent senken – Landbesitz ist dann das neue Mieten.«
    – Wohl vergessen, das das schon mal so war. Ich vermute, dass man den Herrn Altmaier immer dann loslässt, wenn man jemanden braucht, der nicht genau weiß, was er da so von sich gibt.

    Wobei die Grunderwerbssteuer eh nur die normalen Leute zahlen, die dicken Geschäfte mogeln sich da, dank unserer Regierung, schön drum rum.

  • Beitrag von Matthias H. aus M. (25. August 2018 um 07:00 Uhr)

    Gehirnwäsche 2.0:

    Erstens: Wohnen ist eine ganz normale Ware wie die Unterhose oder die Tütensuppe.

    Zweitens: Wenn ein Markt nicht »funktioniert«, dann liegt das natürlich nur an schädlicher Regulierung: Grunderwerbssteuer senken, Mietpreisbremse weg, sozialen Wohnungsbau wegen Fehlbelegungen am besten komplett einstellen – und schon wird jeder seine bezahlbare Wohnung finden.

    Ich nenne das Ideologie.

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