Aus: Ausgabe vom 20.08.2018, Seite 16 / Sport

Der Bock und die Galligkeit

Von Jens Walter
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Untergang im Ostseestadion: Erik Thommy (Mitte) unter den Augen von Mirnes Pepic (l.) und Hansa-Trainer Parel Dotchev (r.)

Zum vierten Mal trafen Hansa Rostock und der VfB Stuttgart am Sonnabend im DFB-Pokal aufeinander, zum vierten Mal gewann Hansa. Zu erwarten war das nicht. Nur zum Vergleich: 35 Millionen Euro haben die Schwaben in der Sommerpause für die Verpflichtung von erfahrenen Spielern wie Gonzalo Castro (Borussia Dortmund) und Daniel Didavi (VfL Wolfsburg) und von Talenten (Nicolás González, Pablo Maffeo) ausgegeben. Der Wert des Hansa-Kaders liegt bei etwa fünf Millionen Euro.

»Es macht einfach nur Bock, wenn sich jeder den Arsch aufreißt«, sagte Hansa-Torschütze Cebio Soukou, der im Sommer von Erzgebirge Aue gekommen war. In der achten Minute hatte er Exnationalspieler Holger Badstuber gefoppt und mit einem Außenristschuss ins lange Eck Torhüter Ron-Robert Zieler keine Chance gelassen. Kurz vor Schluss legte Soukou im Zuge eines Konters für Mittelfeldspieler Mirnes Pepic auf, der mit seinem 2:0 den Sack zuschnürte. Die Lautstärke der 24.500 Zuschauer war mehr als beeindruckend.

Titelverteidiger Eintracht Frankfurt unterlag in der ersten Runde am Sonnabend beim Tabellendritten der Regionalliga Südwest, dem Schwimm- und Sportverein Ulm 1846, im Volksmund auch als Spatzen bekannt. Für Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic »gab es zuwenig Willen und Galligkeit«, Verteidiger Danny da Costa erklärte nach der 1:2-Niederlage: »Es gibt kaum ein Wort, das beschreiben kann, wie schlecht wir uns angestellt haben.«

Frankfurt wirkte nach Abgängen wie dem von Kevin-Prince Boateng äußerst instabil, die Spatzen von Trainer Holger Bechthaler (bislang U19 von Red Bull Salzburg) dagegen sehr homogen. Steffen Kienle (48.) und Vitalij Lux (75.) brachten den früheren Bundesligisten, der seit dem Abstieg 2000 einen Lizenzentzug und drei Insolvenzen hinter sich hat, die letzte erst im Jahre 2014, 2:0 in Führung, Goncalo Pacienca (90.) verkürzte nur noch.

Der 1. FC Nürnberg quälte sich zu einem 2:1 beim Fünftligisten SV Linx, 1:0 gewannen Bayer Leverkusen beim Fünftligisten 1. CfR Pforzheim und der VfL Wolfsburg beim Viertligisten SV Elversberg. Frischer wirkten Werder Bremen und die TSG Hoffenheim mit 6:1-Siegen bei Wormatia Worms (Regionalliga) und dem 1. FC Kaiserslautern (3. Liga). Regionalligist SV Rödinghausen gewann sein Pokaldebüt ist gegen Dynamo Dresden mit 3:2 (2:2, 2:2) nach Verlängerung.

Am heutigen Montag, 18.30 Uhr, trifft Nationalstürmer Nils Petersen mit dem SC Freiburg im Pokal auf Cottbus. Als die Freiburger 2010 im Stadion der Freundschaft aus dem Wettbewerb flogen, spielte Peterson noch für Energie. »Ich weiß auch schon, was Pele Wollitz machen wird«, sagte er der Lausitzer Rundschau. »Er wird uns zum absoluten Favoriten erklären und sagen, dass Energie keine Chance hat. Das hat er früher schon so gemacht.« In der Pokalsaison 2010 schalteten die Cottbuser nach dem SC noch den VfL Wolfsburg und die TSG Hoffenheim aus. Die Euphorie nach dem Aufstieg in die 3. Liga macht sie in diesem Jahr gefährlich, meint Petersen. Und Wollitz? Machte es eleganter als vorausgesagt, erklärte Freiburg nicht zum absoluten Favoriten, sondern lobte die weitsichtige Arbeit im Breisgau: »Ein sympathischer Verein, der zu Recht in der ersten Liga spielt.«

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