Aus: Ausgabe vom 20.08.2018, Seite 2 / Inland

Tauwetter in Meseberg

Merkel und Putin kooperieren – auch Erdogan soll über Syrien mitbestimmen

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Such die Syrer: Wladimir, Angela und das Dienstleistungsproletariat am Samstag auf Schloss Meseberg

Beratungen über die Zukunft Syriens sollen demnächst zwischen Deutschland, Russland, Frankreich und der Türkei stattfinden – um das Land nach mehr als sieben Jahren Bürgerkrieg zu stabilisieren, heißt es. Nach Angaben des Kreml-Sprechers Dmitri Peskow arbeiten die vier Staaten an einem neuen Format, das zunächst auf »Expertenebene« gefunden werden solle. Das gab Peskow am Sonntag nach dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auf Schloss Meseberg bei Berlin bekannt. Später könne daraus ein Gipfeltreffen erwachsen. »Es gibt aber kein abgestimmtes Datum«, sagte Peskow in der Nacht zu Sonntag laut Nachrichtenagentur Interfax.

Russland gilt zwar als »Schutzmacht« des syrischen Präsidenten Baschar Al-Assad, den der Westen eigentlich weghaben will – vor dem Treffen am Samstagabend in Meseberg unterstrich Merkel jedoch die gemeinsame Verantwortung Deutschlands und Russlands für die Lösung von internationalen Krisen wie in Syrien oder in der Ukraine. Sie sei bereit, mit Putin daran zu arbeiten, fügte die Kanzlerin hinzu. Zugleich warnte sie vor einer humanitären Katastrophe in Syrien. Putin rief Europa zur Hilfe beim Wiederaufbau der Infrastruktur in Syrien auf. Man müsse den syrischen Regionen helfen, damit Flüchtlinge aus dem Ausland heimkehren könnten. Dabei gehe es nicht nur um Rückkehrer aus Europa, sondern auch um Millionen Flüchtlinge aus den Nachbarländern Jordanien, Libanon und Türkei. Für die Rückkehr müssten »einfache Dinge« getan werden, etwa die Wasserversorgung oder ärztliche Dienste wiederherzustellen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, dessen Armee Anfang des Jahres mit dschihadistischen Hilfstruppen in den selbstverwalteten nordsyrischen Kanton Afrin einmarschierte, wird am 28. September als Staatsgast in Berlin erwartet. Mit friedlichen Mitteln will er Syrien jedenfalls nicht stabilisieren: Erdogan erklärte am Samstag auf dem Parteitag der islamisch-konservativen AKP in Ankara, er wolle die grenzüberschreitenden türkischen Militäreinsätze in Syrien und im Irak ausweiten, um »die Quelle der Bedrohung« für sein Land trockenzulegen. Gemeint sind die Selbstverwaltungskräfte, die sich inhaltlich an der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) orientieren. (dpa/jW)

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