Aus: Ausgabe vom 15.08.2018, Seite 10 / Feuilleton

Sachs, Tyszkiewicz

Von Jegor Jublimov
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Nichts passt ihm mehr: Klausi Beimer (Moritz A. Sachs, Mitte) vor zwei Jahren

In der »Lindenstraße« ist was los! Jüngere Fans der Dauerserie werden vielleicht enttäuscht sein vom verwandelten »Klausi«. Ältere aber dürften sich freuen, dass Klausi Beimer nun fast wieder so niedlich ist wie vor 33 Jahren, als er in Folge eins als jüngster Sohn der Familie Beimer auf die Bildschirme kam. Innerhalb von drei Monaten hat Moritz A. Sachs, so der bürgerliche Name des Serienstars, 43 seiner vorher 120 Kilo verloren. Zu verdanken ist das seiner Lebensgefährtin und seiner Willenskraft. Am Montag feierte er 40. Geburtstag und fühlt sich pudelwohl – nur die Kostümabteilung hat mehr Arbeit, denn nichts passt ihm mehr, nicht mal die Hüte!

Der Sohn eines Kölner Rechtswissenschaftlers studierte in Dresden Sozialwissenschaften, kam aber von der Schauspielerei nicht los, arbeitete auch als Regieassistent und betreibt eine eigene kleine Produktionsfirma. 2011 unternahm er schon mal einen Anlauf zum Abnehmen. Auf seine Teilnahme an der Show »Let’s dance« folgte der »Jojo-Effekt«, der ihm diesmal hoffentlich erspart bleibt.

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass im kommenden Jahr Richard Engels DDR-Fernsehfilm »Schach von Wuthenow« wiederholt werden wird – schließlich kommen wir ins Fontane-Jahr, und der Schriftsteller hat die gleichnamige Erzählung verfasst. Sie spielt in Adelskreisen. Michael Gwisdek wird in der Titelrolle von Petra Kelling und Beata Tyszkiewicz umworben. Letztere entstammt tatsächlich dem polnischen Adel. Im polnischen und internationalen Film machte sie Karriere. Im deutschen Film besetzten sie vor allem DDR-Regisseure, neben Engel auch Egon Günther und zweimal Siegfried Kühn. Die nach wie vor aktive Schauspielerin, die gestern ihren 80. Geburtstag beging, spielte seit 1956 unter der Regie polnischer Meister wie Wojciech Has, Krzysztof Zanussi und Andrzej Wajda (mit dem sie eine Zeitlang auch verheiratet war), filmte auch in Ungarn, Frankreich und Großbritannien. Preisgekrönt wurde sie vor 20 Jahren für ihre Bertha in der polnischen Neuverfilmung »Die Sonnenbrucks« (bei der DEFA hatte die Rolle Stummfilmstar Maly Delschaft gespielt).

Mehrere Filme drehte Tyszkiewicz mit Regisseur Juliusz Machulski, in besonderer Erinnerung ist »Sexmission«. Im Sommer 1985 wurde dieser Science-Fiction-Streifen auch in der DDR ein Publikumserfolg. In der amüsanten Satire auf Prüderie und allzu orthodoxe Seiten des Sozialismus spielte Tyszkiewicz in einem Reich der Frauen eine schöne, aber kalte Wissenschaftlerin, die nicht länger dulden will, dass Männer in dieser Welt existieren. Ihre Bemühungen sind natürlich nicht von Erfolg gekrönt.

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