Aus: Ausgabe vom 15.08.2018, Seite 2 / Ausland

Corbyn weist Vorwürfe zurück

Sympathie für Terroristen? Netanjahu attackiert britischen Oppositionsführer

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Jeremy Corbyn am 6. August in London

Verbaler Schlagabtausch zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und dem britischen Oppositionsführer Jeremy Corbyn. Über Twitter warf Israels Regierungschef dem Labour-Vorsitzenden am Montag vor, einen Kranz an den Gräbern der Terroristen niedergelegt zu haben, die 1972 das Attentat auf die israelische Olympia-Mannschaft in München durchgeführt hatten. Zudem erfordere Corbyns »Vergleich Israels mit den Nazis« die uneingeschränkte Verurteilung von allen, »Linken, Rechten und allem dazwischen«. Corbyn wies die Vorwürfe entschieden zurück. Am Montag abend twitterte er zurück, eine uneingeschränkte Verurteilung müsse es für »das Töten von mehr als 160 protestierenden Palästinensern in Gaza durch israelische Truppen seit März« geben.

Corbyn hatte 2014 in Tunesien an einer Veranstaltung teilgenommen, bei der an die Opfer des israelischen Luftangriffs auf Büros der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) in Tunis im Jahr 1985 erinnert wurde. Am Rande dieser Zeremonie sei auch ein Kranz am Grab der Attentäter niedergelegt worden, daran sei er aber nicht beteiligt gewesen, betonte Corbyn. Ein Labour-Sprecher sagte ebenfalls: »Jeremy hat keinen Kranz an den Gräbern derjenigen niedergelegt, die mutmaßlich mit der Organisation des Schwarzen September oder den Morden 1972 in München in Verbindung standen. Er verurteilt natürlich diesen schrecklichen Angriff, ebenso wie die Bombardierung von 1985.«

Am 5. August hatte Corbyn eingeräumt, dass es in seiner Partei in Einzelfällen antisemitische Äußerungen gegeben habe. Die Zahl der Fälle in den vergangenen drei Jahren beträfen jedoch weniger als 0,1 Prozent der über 500.000 Parteimitglieder. »Aber ein einziger ist schon zu viel«, sagte er in einer Videobotschaft. Man habe antisemitische Beschimpfungen durch Labour-Mitglieder in »sozialen Medien« viel zu langsam geahndet, so Corbyn. »Es tut mir leid, dass viele Juden dadurch gekränkt wurden.« Menschen mit antisemitischen Ansichten hätten keinen Platz in der Partei.

Die Diskussion schadet Labour in den Umfragen. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete am Montag, unter Berufung auf eine You-Gov-Studie, dass die Oppositionspartei aktuell auf 35 Prozent käme, drei Punkte weniger als zuvor. Die zerstrittenen Konservativen konnten dagegen einen Punkt auf 39 Prozent zulegen. (dpa/jW)

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