Aus: Ausgabe vom 13.08.2018, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Kein Kaffee, kein Trinkgeld

Zu jW vom 26.7.: »Arme Azubis«

Allenthalben wird über das Fehlen von Handwerkern geklagt und bemängelt, dass sich so wenige junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden. Vielleicht liegt es ja an der Art, wie Handwerker behandelt werden? Wer einen Handwerker als Dienstbolzen oder Lakaien ansieht, wird sicher nicht für eine Aufwertung des Berufsstandes und damit für eine Attraktivität des Berufes sorgen, die für Nachwuchs die Grundlage bildet! Ich selbst möchte meine Sichtweise kurz veranschaulichen: Ich arbeitete heute den vierten Tag in Folge für unterschiedliche, augenscheinlich wohlhabende Leute in den Außenbezirken Berlins. Die Außentemperaturen lagen durchgehend um 30 Grad. Es wurde uns kein Kaffee oder ein Wasser angeboten. Statt dessen wurde ich (Alter 52 Jahre) wiederholt von Kunden geduzt, obwohl ich mich stets der Höflichkeitsform bediene. Über eine Honoration in Form eines Trinkgeldes denken wir nicht einmal nach. Tja, und warum haben wir keinen Nachwuchs?

Gerhard Kuntz, per E-Mail

Nicht verdummen lassen

Zu jW vom 30.7.: »Abgeschrieben: Die österreichische Gewerkschafterin Anne Rieger zu 200 Jahren Karl Marx«

(…) Wie viele, die meinen, ihre Klasse zu vertreten, schwimmen oberflächlich auf der allgemeinsten Menschenrechtssuppe mit umher, kommen sich wichtig vor und glauben wirklich, humanistische Klassenpositionen zu vertreten! Ganz anders die vom Schlage einer Anne Rieger. Rezepte hat sie ebensowenig wie wir. Sie fragt aber zumindest nach dem »wissenschaftlichen Werkzeug«, um herauszufinden, wie der immer gigantischere Reichtum einiger weniger gegenüber Verarmung immer größerer Teile der Bevölkerung erklärbar ist. Die Antworten wieder bei Marx zu suchen, das ist klassenmäßige Interessenpolitik. Folgen wir dem Gedanken einer Anne Rieger, dann können wir uns von den hohlen Phrasen der Herren des Kapitals, der Politiker und der scheinbaren Experten von Kapitals Gnaden kein X mehr für ein U vormachen lassen. Dann kann uns niemand mehr verdummen mit Standortlogik, Wettbewerbsfähigkeit, nicht finanzierbarer Rente, Gesundheit oder Pflege, mit Gejammer über den Mindestlohn und allen Klageliedern des Kapitals. Wieder das »wissenschaftliche Werkzeug« in die Köpfe bringen, in die Hände nehmen, das nimmt uns niemand ab.

Roland Winkler, Aue

Verkannte Alternativen

Zu jW vom 8.8.: »Absolute Stille« und »Entgiftungskur gefordert«

(…) Bemühungen, Glyphosat in Brandenburg zu ächten, sind nicht neu (…). Bereits am 28. Oktober 2017 hatte die AG Umwelt Brandenburg der Partei Die Linke ihrer Landtagsfraktion einen (…) Eilantrag zum »Verbot von Glyphosat bei gleichzeitiger Stärkung der ökologischen Landwirtschaft« übergeben (…). Dieser blieb jedoch auch nach mehreren Rückfragen unbeantwortet. Das Thema »Alternativen zu Glyphosat« aufgreifend, brachte die Verbandszeitschrift der Grünen Liga Brandenburg, Libell, ein Interview mit Prof. Edgar Klose vom Märkischen Institut für Technologie- und Innovationsförderung (MITI) e. V. (…). Die Minister Jörg Vogelsänger (Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft) und Stefan Ludwig (Justiz, Europa, Verbraucherschutz) konnten sich anhand von Feldversuchen (…) von der Richtigkeit seines Lösungsansatzes überzeugen. Dabei blieb es. (…) Namhafte Publikationen wie von Prof. Karl Hecht (MITI) zeigen Zusammenhänge von alternativer ökologischer Bewirtschaftung von Trockenböden, ökologischer Tierhaltung und Chancen für Natur- und Humanmedizin auf. Ein Aufgreifen dieser Ansätze könnte sich als revolutionär erweisen. In positiven Besprechungen wird sogar auf die Möglichkeit einer Begrünung von Wüsten, das Wiederbeleben ganzer Klima- und Lebenskreisläufe verwiesen. (…) Erkenntnis genug für den Märkisch-Oderland-Kreis (MOL), um mit dem MITI am 2. November 2017 eine Vereinbarung »Modellregion für Brandenburg mit gesünderen Menschen und Tieren, ökologisch produzierten Nahrungsmitteln und sauberen Böden in Wald und Flur« abzuschließen. Nur, der Landkreis MOL bleibt bei dieser Bemühung isoliert. Wa­rum? Und da nun jW gerade Märkisch-Oderland zum Beispiel verfehlter Landwirtschaftspolitik wählt, ist die Frage, warum das dort vorhandene Wissen um eine alternative, ökologisch nachhaltige Landwirtschaft und ihre Chancen nicht in die Berichterstattung einfließt. (…)

Hans-Joachim Börner, MITI Strausberg

Ruf zur Verantwortung

Zu jW vom 9.8.: »Demo auf Zugspitze«

Hitze und andere Wetterextreme breiten sich aus, Brände bedrohen zunehmend unser Ökosystem, und auf der politischen Bühne erleben wir Streit und massive Verluste der »Mitte«. Einer Mitte, die der neoliberalen Überzeugung huldigt, der Wirtschaft müsse soviel Freiheit wie möglich gegeben werden. Zudem fordert die herrschende Doktrin Wachstum und Förderung der eigenen Wirtschaft, was sich als internationaler Krieg um Aufträge, Investitionen und Arbeitsplätze und als Krieg gegen die Umwelt entpuppt. Verfestigt wird dieser Kurs noch durch eine tief in die Parlamente und Regierungen reichende Wirtschaftslobby. Dabei werden insbesondere Länder reich, die Öl oder Hightech exportieren können. (…) »Loser« dagegen sind Bauern in Afrika, die durch staatlich subventionierte Agrarprodukte aus Europa zugrunde gerichtet werden, und Näherinnen in Bangladesch, die unter schlimmsten Arbeitsbedingungen für zehn Cent pro Stunde schuften. Doch den »Winnern« fallen jetzt die Umweltschäden und die Flüchtlinge quasi auf die Füße. Das sollte ein Umdenken herbeiführen: Nicht der Markt und der wirtschaftliche Erfolg dürfen an oberster Stelle stehen, sondern Fairness und Verantwortung für die ganze Menschheit, die Umwelt und die kommenden Generationen. Ein Weiterführen der bisherigen Politik wäre verbrecherisch.

Hans Oette, Neuenstadt

Nicht der Markt und der wirtschaftliche Erfolg dürfen an oberster Stelle stehen, sondern Fairness und Verantwortung für die ganze Menschheit, die Umwelt und die kommenden Generationen.

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