Aus: Ausgabe vom 11.08.2018, Seite 8 / Ansichten

Hoch gepokert

USA wollen Weltraumstreitkraft gründen

Von Jörg Kronauer
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Die Supermacht bäumt sich auf. Hat da jemand von globalen Kräfteverschiebungen gesprochen, vom Aufstieg Chinas, von der machtpolitischen Konsolidierung Russlands, vom Einflussstreben der EU – und vom relativen Abstieg der Vereinigten Staaten, der mit all dem zusammenhängt? Nun, da mögen die Außenpolitikexperten noch so viel über das Ende der unipolaren Ära schwadronieren: Die Trump-Administration schlägt Pflöcke ein. Mit Strafzöllen und Sanktionen attackiert sie alle Rivalen, und jetzt spielt sie zusätzlich eine neue Karte in ihrer Trumpffarbe aus, dem Militär: Das Pentagon wird seine kriegerischen Aktivitäten im Weltraum in einer eigenen Teilstreitkraft zusammenführen, in der neu zu schaffenden Space Force. Einschlägige Experten sollen darin zu »Weltraumkriegsführungsprofis« fortgebildet werden und die Ressourcen erhalten, um die US-amerikanische »Weltraumkriegsführung zu verbessern und zu entwickeln«: »Wir müssen amerikanische Dominanz im Weltraum haben«, hat Vizepräsident Michael »Mike« Pence am Freitag geäußert, »und das werden wir.«

Werden sie? Man wird sehen. Der Grundgedanke, der die Trump-Administration antreibt, ist simpel: Gelingt es, die künftige US Space Force zur beherrschenden Weltraumstreitmacht auszubauen, dann können die Vereinigten Staaten ihre militärische Dominanz zumindest eine Zeitlang sichern. Und vielleicht bleibt ja auch der eine oder andere Rivale, Russland etwa, zuvor auf der Strecke, weil er im teuren globalen Wettrüsten finanziell nicht mehr mithalten kann und aufgeben muss – die Methode Reagan, sozusagen; Star wars à la SDI lässt grüßen. Washington, könnte man meinen, ist mit dem bewährten alten Rezept auf Siegeskurs.

Ganz so einfach liegen die Dinge allerdings nicht. China ist nicht die Sowjetunion der 1980er Jahre: Es befindet sich ökonomisch und politisch nach wie vor im Aufschwung – und es rückt inzwischen auch militärtechnologisch immer weiter nach vorn. Diese Woche hat Beijing mitgeteilt, erfolgreich ein Hyperschallfluggerät getestet zu haben; als Waffe genutzt, ist es mit konventionellen Abwehrmitteln auch der US-Streitkräfte kaum aufzuhalten. Erst im Juni warnte Robert Work, der unter Obama und Trump als Vize-Verteidigungsminister gedient hatte, die USA drohten auch auf weiteren Gebieten, etwa bei der elektronischen Kriegführung, gegenüber der Volksrepublik ins Hintertreffen zu geraten. Und: Die Sache mit dem Wettrüsten kann finanziell ebenso nach hinten losgehen wie der Trumpsche Handelskrieg, der mittlerweile so manchem US-Unternehmen durchaus schmerzhafte Einbußen bringt. Auch mit Blick darauf, dass das US-Haushaltsdefizit sich rasant der Schwelle von einer Billion US-Dollar nähert, beschwert sich so mancher Republikaner, Gewissheit bestehe bei der künftigen Space Force nur darin, dass sie die Kosten explodieren lassen wird. Ob sich das Handelskriege führende, offen als globaler Strafmeister auftretende Washington nicht so langsam überhebt, ist noch längst nicht ausgemacht.

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  • Hans Gielessen: Luftnummer Trumps Sternenkriegerprogramm könnte sich als Luftnummer erweisen, so wie dereinst Reagans »Strategische Verteidigungsinitiative« (SDI), von der sich die Sowjetunion bekanntlich bluffen ließ. Auch dam...

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