Aus: Ausgabe vom 11.08.2018, Seite 5 / Inland

Verdi: Mangelhafter Entwurf

Gewerkschaft kritisiert Pläne für das Gesetz zur Erhöhung der Kitaqualität

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Das Bundesfamilienministerium hat noch nicht verstanden: Demonstration für mehr Plätze in den Kitas und eine bessere Bezahlung der Erzieher am 26. Mai 2018 in Berlin

Die Gewerkschaft Verdi hat am Freitag in einer Mitteilung kritisiert, dass der Referentenentwurf für das geplante »Gute-Kita-Gesetz« hinter dem erklärten Ziel des Bundesfamilienministeriums zurückbleibe. Zwar begrüßt die Gewerkschaft, dass der Bund Mittel für die Kitas zur Verfügung stelle, die über den vereinbarten Betrag in der Koalitionsvereinbarung hinausgingen. Leider sei im Entwurf aber nicht verbindlich vorgesehen, dass dauerhaft Mittel vom Bund zur Verbesserung der Qualität der Kitas, zum Ausbau des Angebots und zur Gewinnung von Fachkräften zur Verfügung gestellt werden. Der Entwurf des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Qualität in der Kindertagesbetreuung (KiQuEG) soll am 13. August im Familienministerium diskutiert werden.

»Wir hatten ein Gesetz erwartet, das Grundlagen für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten schafft und gleichzeitig dem bis zum Jahr 2025 prognostizierten Fachkräftemangel von 330.000 Erzieherinnen und Erziehern« begegne, betonte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Wolfgang Pieper. Der Bund müsse endlich die gesellschaftliche Bedeutung dieser Arbeit ernst nehmen und einen Beitrag zur Aufwertung der sozialen Berufe leisten. »Es ist im Gesetzentwurf auch nicht erkennbar, wie der Bund den Einsatz der Mittel für Fachkräftegewinnung und Qualitätsverbesserung steuern will. So wird sich die Qualität in den Kindertageseinrichtungen nicht dauerhaft und nachhaltig verbessern«, sagte Pieper. Für Verdi als Vertretung der Beschäftigten im Bereich Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern sei dieser Gesetzentwurf enttäuschend. Alle relevanten Maßnahmen, sei es die Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation oder die Stärkung der Leitung, würden mehr Personal erfordern. Der Fachkräftemangel sei schon ohne Qualitätsverbesserungen eklatant. Nur die finanzielle Konzentration auf die Gewinnung und Ausbildung von Fachkräften sowie Lehrpersonal werde auf Dauer zur Anhebung der Qualität in der Bildung, Erziehung und Betreuung beitragen und damit einen Beitrag zu gleichen und lebenswerten Verhältnissen leisten. (jW)

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