Aus: Ausgabe vom 10.08.2018, Seite 11 / Feuilleton

Unfallschwerpunkt versiegelt!

Behörde lässt mit Elfen sprechen

Von Dusan Deak
Elfenautobahn.jpg
»Auswirkungen, die mehr im Bereich von Elfenbeauftragten liegen«

Der Bürger ist von Behörden allerlei Unfug gewohnt. Aus einer Initiative der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr ergab sich nun jedoch einiger Erklärungsbedarf. Der Leiter des Geschäftsbereichs Hannover, Friedhelm Fischer, wurde gar zum Rapport ins Verkehrsministerium des Bundeslandes bestellt, nachdem er die erfahrene, selbsternannte Elfenbeauftragte Melanie R. ermuntert hatte, Unfälle an einem bestimmten Teilstück der A2 zu vereiteln. Sie sollte mit den aufgebrachten Trollen und Elfen reden, die als Verursacher zumindest in Frage kamen.

Melanie R. ist gelernte Friseurin und kennt sich (beruflich bedingt) mit Tollen, Trollen und Elfen aus. Zusammen mit ihren Freundin Marion L., die mehrere Tiersprachen spricht, versuchte sie, die aufgewühlten Naturwesen zu besänftigen und die Anzahl der Unfälle zu reduzieren. Leider ohne unmittelbaren Erfolg. Am Tag, an dem sie mit den Trollen sprach, kam es an den Problemabschnitten zu mehreren schweren Verkehrsunfällen. Vermutlich waren die Trolle schwerhörig oder sprachen einen anderen Dialekt.

Über die längerfristigen Auswirkungen der »energetischen Versiegelung« mehrerer Teilstücke mochte Bauingenieur Fischer nicht spekulieren. Es sei »schwierig, Auswirkungen, die mehr im Bereich von Elfenbeauftragten liegen, zu bewerten. Ich sehe das neu­tral«, erklärte er der Süddeutschen Zeitung (Dienstagausgabe). Eine Wiederholung der Aktion sei möglicherweise notwendig, aber: »Ich weiß auch gar nicht, wie ich das finanzieren sollte.«

Das niedersächsische Verkehrsministerium will dem Elfenspuk jetzt ein Ende machen. Denkbar wäre die Verpflichtung eines zertifizierten Trolldolmetschers, der die richtige Ausbildung besitzt und die einschlägigen Elfendialekte fließend beherrscht, im Idealfall als Muttersprachler.

Melanie R. und ihre Freundin Marion L. wollen es in der Zwischenzeit beim Hamburger SV versuchen, der auch seit längerem an einem Fußbaltrollfluch laboriert. Mittlerweile geht es dem Klub auch wirtschaftlich schlecht. Gerüchteweise müssen die HSV-Spieler ihre Trainingstrikots jetzt selbst bezahlen und zum Training wie zum Auswärtsspiel nach Sandhausen mit der S-Bahn fahren.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Mehr aus: Feuilleton