Aus: Ausgabe vom 10.08.2018, Seite 8 / Ansichten

Verschwundene NATO-Rakete des Tages: AIM-120 AMRAAM

Von Arnold Schölzel
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Wer sich in die NATO begibt, bekommt nicht nur Krieg irgendwo bei fremden Völkern. Im eigenen Land kann es auch knallen. So wie im Süden Estlands am Dienstag nachmittag. Dort feuerte bei der Ortschaft Otepää, weniger als 50 Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt, ein im Rahmen der NATO-»Hilfe« in Litauen stationiertes spanisches Kampfflugzeug vom Typ »Eurofighter Typhoon« eine scharfe Luft-Luft-Rakete ab (siehe jW vom Donnerstag). Seitdem ist das Ding verschwunden, herrscht helle Aufregung, wurden Hubschrauber, rund 100 Soldaten und andere Kräfte auf Suche geschickt. Sie sollen eine Lenkwaffe der Marke »AIM-120 AMRAAM« aufstöbern. Die ist 3,70 Meter lang, wiegt etwa 157 Kilogramm, hat eine Reichweite von 100 Kilometern und transportiert zehn Kilogramm Sprengstoff. Das reicht für Auslösung eines Krieges. Am Donnerstag erklärte Ministerpräsident Jüri Ratas in der Hauptstadt Tallinn: »Zum jetzigen Zeitpunkt wurden weder Teile der Rakete noch der Gefechtskopf gefunden.« Zuvor hatte er Gott gedankt, weil nichts passiert sei.

Sollte das Teufelszeug verschwunden bleiben, sei hier verraten, wer’s hat: der Cyberrusse. Dessen überirdische Fähigkeiten sorgen bei der NATO zu Recht seit langem für Schweiß: Er schändet Wahlen im Westen, will ständig Nachbarländer überrennen und wirft Gift in Parfümflaschen um sich, kurz, er verwirklicht jede westliche Halluzination. In Estland, einer Kolonie vor allem skandinavischer Konzerne, bekannt durch Unterdrückung der russischsprachigen Minderheit, Huldigung von SS-Veteranen und Geldwäsche, weiß die als Regierung ausgegebene Clique: Der Russe kann auch Jenseitiges. Warum also nicht eine NATO-Rakete klauen, die der Pilot erst nach Überwindung mehrerer Sperren abfeuern kann und die über einen Selbstzerstörungsmechanismus verfügt? Der hat versagt? Na, warum wohl?

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