Aus: Ausgabe vom 10.08.2018, Seite 2 / Ausland

Bomben auf Schulkinder

Mindestens 43 Tote nach Attacke von saudischer Allianz im Jemen

Von Wiebke Diehl
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Helfer versorgen nach dem Luftangriff in Saada am Donnerstag verletzte Kinder

Bei einem Luftangriff auf einen Schulbus nördlich der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sind am Donnerstag nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 43 Menschen getötet worden, es gab mindestens 61 Verletzte. Die Kinder hätten sich auf dem Weg zu einer Sommerschule befunden, hieß es. Wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz mitteilte, ereignete sich die Attacke auf einem Markt in Dahjan in der Region Saada. Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition, die seit über drei Jahren einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Jemen führt, übernahm die Verantwortung für den Angriff. In einer Stellungnahme sprach sie von einem »legitimen Militäreinsatz«, der »im Einklang mit internationalen Grundsätzen der Humanität« gestanden habe. Er habe Raketenstellungen der Ansarollah-Milizen gegolten.

Saudi-Arabien und seine Verbündeten haben wiederholt Schulen, Krankenhäuser, Moscheen, Hochzeitsgesellschaften, Märkte oder Trauerfeiern bombardiert. Nichtregierungsorganisationen schätzen, dass von den über 15.000 gezählten Luftangriffen der Militärkoalition allein bis Dezember 2017 weit mehr als ein Drittel zivile Ziele traf. Erst letzte Woche wurden das größte Krankenhaus des Landes, die Al-Thawra-Klinik in Hudaida, sowie ein Markt angegriffen. Mindestens 55 Zivilisten kamen dabei ums Leben, 170 wurden verletzt. Das Krankenhaus ist für die medizinische Versorgung von mehreren hunderttausend Menschen im Jemen zuständig.

Das Gesundheitssystem und die gesamte Infrastruktur des Landes sind nach über drei Jahren Krieg fast komplett zerstört. Die durch die Militärallianz verhängte See-, Land- und Luftblockade ist für den Mangel an Medikamenten und medizinischem Gerät, an Treibstoff sowie an Nahrungsmitteln maßgeblich mitverantwortlich. Bereits vor dem Krieg musste der Jemen 90 Prozent der Nahrungsmittel einführen, inzwischen sind drei Viertel der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Die Militärkoalition wird von den westlichen Industrienationen aktiv unterstützt. Die USA, Großbritannien und Frankreich betanken Kriegsflugzeuge, geben geheimdienstliche Informationen weiter und haben sogar Spezialkräfte entsandt. Rüstungsexporte in Milliardenhöhe tun ein übriges. Der Bundessicherheitsrat hat allein in den letzten drei Jahren Rüstungsexporte in Höhe von mehr als 4,6 Milliarden Euro an Mitgliedsländer der Militärallianz genehmigt. In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage von Sevim Dagdelen, stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, musste die Bundesregierung zugeben, im ersten Quartal des Jahres 2018 mit Waffen im Wert von 161,8 Millionen Euro fünfmal so viele Ausfuhrgenehmigungen nach Saudi-Arabien erteilt zu haben wie im Vorjahreszeitraum – obwohl CDU/CSU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben hatten, keine Rüstungsexporte mehr an Länder genehmigen zu wollen, die »unmittelbar« am Jemen-Krieg beteiligt sind.

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