Aus: Ausgabe vom 08.08.2018, Seite 10 / Feuilleton

Kaye, Winnington, Hanisch, Bendokat

Von Jegor Jublimov
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Schauspielerin Margit Bendokat im Februar 2010 während der Probe einer Szene des Stücks »Krankenzimmer Nr. 6« am Deutschen Theater Berlin

Als Alice ins Spiegelland kommt, feiert sie mit Humpty Dumpty »Nichtgeburtstag«, weil sie so ein Nichtgeburtstagsgeschenk bekommt. Ich glaube nicht, dass Fernsehregisseurin Renata Kaye das im Hinterkopf hatte. Sie ist jetzt 30 Jahre und 357 Monate alt und wird im November »nullen«. Was für ein trüber Monat! Darum feiert sie am Sonnabend ihren Nichtgeburtstag mit einem Sommerfest in ihrer Heimatstadt Salzwedel. Dort kam sie als Tochter eines Puppenspielers zur Welt und bekam früh ein Gespür dafür, was man Kindern Schönes zumuten kann. Nach ihrem Studium an der HFF Babelsberg schuf sie seit den Neunzigern Kinderfernsehspiele und Serien wie »Eckladen«, »Die Gespenster von Flatterfels«, viele Folgen von »Schloss Einstein« und »Siebenstein«, also Filme über Felsen und Steine! Nicht zu vergessen die Serie »Mama ist unmöglich« – jetzt schon ein »Klassiker« – als sie dem späteren Star Tom Wlaschiha ein gutes Sprungbrett bereitete! Zum Nichtgeburtstag bereitet der MDR Kaye ein kleines Geschenk, denn bei »Damals war’s«, wo sie bisher den kleinen Muck inszenierte, kommt im Herbst mit Lippi ein großer Neuer!

Genau heute hat Ursula Winnington Grund zum Feiern. Dass sie aber an ihrem 90. Geburtstag selbst kochen wird, ist nicht anzunehmen. Seit Beginn der siebziger Jahre hat Winnington, die zuvor Wittbrodt hieß, mehr als ein Dutzend Kochbücher herausgegeben. Die Rezepte hatte sie meist zuvor beim Guten Rat, der Sibylle und anderen Zeitschriften publiziert. Ihre Kolumne »Liebe, Phantasie und Kochkunst« im Magazin war auch für jene Pflichtlektüre, die nie die Absicht hatten zu kochen. Unter ihren Rezepten waren viele asiatische, die hatte sie durch ihren Mann kennengelernt. Der britische Journalist und Kommunist Alan Winnington war in die DDR emigriert. Gern erzählte Ursula Winnington über die Gerichte und ihre Geschichte und vergaß dabei nicht, dass gerade die Liebe durch den Magen geht. »Es gibt so viele Situationen, wo ein Liebhaber weit unter seiner Höchstform bleiben würde, eilte ihm nicht die kulinarische Kunst zu Hilfe«, lautet ein typisches Winnington-Zitat. Daneben hat sie aber auch mit ihren Kochbüchern für Kinder viel für den Nachwuchs getan. Das sollte mal wiederentdeckt werden!

Der Schauspieler Hans-Joachim Hanisch aus Koblenz, der am Sonntag 90 Jahre alt wird, wechselte nach westdeutschen Engagements an Ostberliner Bühnen. Hier wurde er bei Funk, Fernsehen und Film einer der meistbeschäftigten Schauspieler. Er war Kriminalkommissar oder Leutnant, ging auf Freiersfüßen oder war Nebenbuhler, war Matrose oder auch der Moorbauer in dem gerade wieder aktuellen Märchenfilm »Die Regentrude«. Als er das Rentenalter erreichte, zog er sich aus dem Beruf zurück, um das Leben zu genießen. Seit einem Jahr aber scheint er völlig verschwunden. Ob und wo er am Sonntag seinen 90. begeht, weiß niemand. Bitte melde dich, Hansi Hanisch!

Als Benno Besson am Deutschen Theater vor rund 50 Jahren den »Tartüff« inszenierte, fiel neben allen grandiosen Darstellern ein Dienstmädchen auf, das minutenlang im Hintergrund Kirschen aß. Den Namen Margit Bendokat merkte man sich – und wurde nicht enttäuscht. Bis heute zählt die gebürtige Templinerin zu den Berliner Schauspielerinnen, auf die man immer wieder neugierig ist. Sie hat in Filmen viele markante Nebenrollen gespielt – immer etwas altjüngferlich wirkend (was sie im Leben nicht ist). Auch nach ihrem 75. Geburtstag am Sonnabend sollte noch manch Gutes dazukommen.

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