Aus: Ausgabe vom 08.08.2018, Seite 6 / Ausland

Vorläufige Entwarnung

Saudi-Arabien lässt Öltanker wieder durch Meerenge fahren

Von Knut Mellenthin
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Umkämpfter Hafen: Ein Schiff fährt an der jemenitischen Stadt Al-Hudaida vorbei (5.8.2018)

Die kurze Krise um die saudiarabischen Öltransporte durch das Rote Meer ist beendet. Sie dauerte insgesamt nur acht bis neun Tage. Am Sonnabend teilte das saudische Energieministerium mit, dass Tanker, die für die staatliche Erdölgesellschaft Aramco fahren, wieder die Meerenge Bab Al-Mandab passieren dürfen, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet.

Die Krise war angeblich durch einen Angriff der schiitischen Organisation Ansarollah, die einen erheblichen Teil des Jemen einschließlich der Hauptstadt Sanaa beherrscht, auf zwei saudische Tanker ausgelöst worden. Das Energieministerium des Königreichs hatte daraufhin am 25. Juli die sofortige Einstellung aller Öltransporte durch die nur 27 bis 29 Kilometer breite Meeresstraße des Bab Al-Mandab angeordnet. Das sollte solange gelten, »bis die Situation klarer wird und der Seeweg wieder sicher ist«. Einige westliche Medien meldeten damals, die Saudis hätten die Meerenge gesperrt. Das wäre eine Kriegshandlung gewesen, die alle Verbündeten Riads getroffen hätte. In Wirklichkeit bezog sich die Anweisung jedoch nur auf saudische Transporte. Kurzzeitig hieß es, die Vereinigten Arabischen Emirate würden sich diesem Schritt anschließen. Das geschah offenbar nicht.

Saudi-Arabien, die Emirate und in geringerem Umfang auch einige andere arabische Staaten führen seit März 2015 im Jemen Krieg gegen Ansarollah. Kämpfer dieser Miliz hatten einer Presseerklärung der Kriegskoalition vom 25. Juli zufolge vom Gebiet der Küstenstadt Hodeida aus zwei Tanker, die das Rote Meer durchfuhren, mit Raketen beschossen. Eines der Schiffe sei dabei leicht beschädigt wurden. Nähere Angaben etwa über die Art des Schaden und die genaue Position der Tanker bei dem Zwischenfall machte der Sprecher der Kriegskoalition nicht.

Truppen der Saudis und der Emirate hatten Hodeida am 12. Juni eingeschlossen und eine Großoffensive zur Einnahme der Hafenstadt angekündigt. Über die Eroberung des Flughafens nach einer Woche kamen sie jedoch nicht hinaus. Am 1. Juli stellten die Angreifer ihre Operationen »vorübergehend« ein, angeblich um der UNO Zeit für Verhandlungen mit der Schiitenmiliz über einen Abzug zu geben. Die Waffenruhe hält seither im wesentlichen an.

Die Entspannung der Lage nach dem Zwischenfall vom 25. Juli und die Entscheidung der Saudis, die Öltransporte wiederaufzunehmen, wurden vermutlich durch einen Schritt von Ansarollah erleichtert: Die von dieser geführte provisorische Regierung gab am 31. Juli bekannt, dass sie einseitig auf »Vergeltungsangriffe« im Roten Meer verzichten werde. Diese Maßnahme gelte zunächst für zwei Wochen, könne aber verlängert und auf alle Fronten ausgedehnt werden, falls die Kriegskoalition der Saudis zu Gegenleistungen bereit wäre.

Während der kurzen Krise im Roten Meer hatte die israelische Regierung versucht, die Situation anzuheizen. Premierminister Benjamin Netanjahu drohte dem Iran am 1. August, dass jeder Versuch, das Bab Al-Mandab für Tanker und Frachtschiffe zu sperren, zur Bildung einer internationalen Militärkoalition führen werde, an der sich dann auch Israel mit seinem gesamten Waffenarsenal beteilige.

Die Seeverbindung durch das Rote Meer und das Bab Al-Mandab hat für Israel große Bedeutung. Diese Meerenge ist allerdings vom Iran, der nirgendwo ans Rote Meer grenzt, mehrere tausend Kilometer entfernt, und Teheran hatte nicht mit deren Schließung gedroht.

Als Ort seiner Drohung hatte Netanjahu einen Marinestützpunkt in Haifa gewählt, wo gerade der Abschluss eines Offizierslehrgangs gefeiert wurde. Ähnlich äußerte sich bei dieser Gelegenheit Verteidigungsminister Avigdor Lieberman, der zugleich verkündete, dass die israelischen Streitkräfte auf einen Krieg an mehreren Fronten vorbereitet seien.


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