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05.08.2018, 17:44:51 / Ausland

Mordversuch an Maduro

Venezuelas Präsident überlebt Attentat mit Sprengstoffdrohnen. Angespannte Ruhe in Caracas

Von Modaira Rubio, Caracas
Anschlagsziel rechter Terroristen: Venezuelas Präsident Nicolás
Anschlagsziel rechter Terroristen: Venezuelas Präsident Nicolás Maduro am Samstag in Caracas bei einer Veranstaltung anlässlich des 81. Jahrestages der Nationalgarde

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat am Sonnabend (Ortszeit) einen Anschlag der extremen Rechten unverletzt überlebt. Als der Staatschef während einer Militärparade aus Anlass des 81. Jahrestages der Gründung der Nationalgarde eine Rede hielt, explodierten mindestens zwei mit Sprengstoff beladene Flugkörper. Leibwächter schirmten Maduro ab und brachten ihn in Sicherheit. Sieben Menschen wurden nach offiziellen Angaben durch den Anschlag verletzt.

In einer Ansprache beschuldigte Venezuelas Präsident wenig später die Regierung Kolumbiens, hinter den Planungen für den Anschlag gesteckt zu haben. Alles deute auf Täter aus den Reihen der äußersten Rechten im Bündnis mit der extremen Rechten Kolumbiens hin. »Hinter diesem Anschlag steht der Name Juan Manuel Santos«, machte er direkt den scheidenden Staatschef des Nachbarlandes verantwortlich. Dieser hatte kurz zuvor im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP erklärt, dass »der Sturz des Maduro-Regimes nahe« sei.

Noch während Maduro sprach, verbreitete Patricia Poleo, eine der bekanntesten Vertreterinnen der äußersten Rechten Venezuelas, von ihrem Exil in Miami aus das Bekennerschreiben einer Gruppe, die von sich behauptet, aus aktiven Soldaten der venezolanischen Streitkräfte zu bestehen. Man habe mit Drohnen die Bühne angegriffen, auf der der Präsident stand, heißt es darin. Die »Operation Phoenix« sei fehlgeschlagen, weil Scharfschützen der Ehrengarde die Flugkörper abschießen konnten. Man habe aber die »Verwundbarkeit« des Regimes zeigen können.

In Venezuela und im Ausland wurde der Anschlag umgehend verurteilt. Parteien, Organisationen und Persönlichkeiten des bolivarischen Lagers bekundeten, hinter dem Präsidenten zu stehen. Am Sonntag morgen herrschte in Caracas angespannte Ruhe. Aufrufe rechter Gruppen zu Protesten auf der Straße fanden bis dahin keinen Widerhall.

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